Ratgeber: Igel

Herbstzeit = Igelzeit!

Bitte beachten Sie: Laut Gesetz dürfen Igel nur dann der Natur entnommen werden, wenn sie tatsächlich verwaist, verletzt, krank und oder aus sonst einem Grund hilfsbedürftig sind. Nur dann dürfen sie gefüttert bzw. gesundgepflegt werden.

Welcher Igel braucht Hilfe? 

Merkmale eines gesunden Igels:

  • Er ist in der Dämmerung und in der Nacht aktiv.
  • Seine Form ist tropfenförmig, vorne spitz hinten rund.
  • Er hat halbkugelförmige schwarze Knopfaugen.
  • Seine Nase ist feucht.
  • Er rollt sich bei Annäherung fest zusammen und erst wieder aus, wenn die Gefahr vorbei ist.
  • Seine Stacheln stellt er kreuz und quer auf.
  • Wenn er meint, dass die Zeit reicht, flitzt er hochbeinig und schnell in Sicherheit.
  • Der Kot gesunder Igel ist ein dunkles geformtes Würstchen.

Merkmale eines kranken Igels:

  • Die Form kranker Igel ist walzenförmig.
  • Sie haben oft eine auffällige Nackenfalte.
  • Die Augen liegen tief in den Höhlen, werden oft nur schlitzförmig geöffnet.
  • Die Nase ist meist trocken.
  • Die Körpertemperatur kann kühl sein.
  • Der Gang kranker Igel ist langsam, mehr wackelig oder sie liegen und stehen nicht auf.
  • Kranke Igel rollen sich kaum ein und schnell wieder aus, wirken zahm.
  • Die Stacheln liegen an und werden kaum aufgestellt.
  • Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig oder blutig.

Faustregel: Handelt es sich bei den aufgefundenen Igeln um Igeljungen, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, so haben die Tiere ihre Mutter verloren und brauchen dringend Hilfe.

Tipp: Sollten Sie einen Igel tagsüber sehen, beobachten Sie ihn zunächst aus sicherer Entfernung. Nur verwaiste Igelsäuglinge, verletzte oder kranke Igel sind wirklich hilfsbedürftig. Kranke oder verletzte Igel erkennt man sofort daran, dass sie am Tag herumliegen, mager sind und sich apathisch verhalten. 

Das muss vor der Aufnahme eines Igels in Menschenhand untersucht werden: 

  • Liegen Verletzungen vor? Dazu bitte Kopf, Bauchseite und Beine überprüfen.
  • Ein gesunder Igel rollt sich bei der kleinsten Berührung sofort zusammen. Macht der Igel das nicht, deutet dies auf ein gestörtes Allgemeinbefinden hin. Aber: Krankheiten können nur von einem Tierarzt festgestellt werden.
  • Das Gewicht des Igels sollte ebenfalls überprüft werden. Igel, die im November noch deutlich unter 500 Gramm wiegen, haben ohne Bereitstellung von zusätzlichem Futter kaum eine Überlebenschance und brauchen somit Hilfe.
  • Ist die Bauchseite des Igels deutlich kälter als die eigene Hand, deutet dies auf eine Unterkühlung hin. Man legt eine handwarme Wärmflasche, in ein Frottee-Handtuch eingewickelt, in einen hochwandigen Karton und setzt den Igel dort hinein, um ihn aufzuwärmen.
  • Parasitenbefall: Zecken und Flöhe sind bei Igeln normal. Möchte man dennoch einen Igel entflohen, so eignet sich Pedicul Jacutin dafür, es wird in einem dünnen Streifen die Wirbelsäule entlang einmalig gesprüht. Niemals Frontline oder Spot-On verwenden, da dies Igel tötet!

Ich habe einen Igel aufgenommen - was ist zu tun?

Pflegeprotokoll anlegen

Nimmt man einen hilfsbedürftigen Igel bei sich auf, ist das Anlegen eines Pflegeprotokolls sinnvoll. Man sollte festhalten, wann und wo (Fundstelle) man den Igel gefunden hat. Denn Igel sind ortsgebunden und sollten auch an der Fundstelle wieder ausgewildert werden. Zusätzlich sind das Gewicht und der Gesundheitszustand festzuhalten. Um eventuelle Krankheiten festzustellen, sollte man einen Tierarzt aufsuchen.

Ein Igelgehege mit Schlafplatz einrichten

Wenn möglich, bietet man dem gesunden Igel im Garten eine Unterkunft an. Eine Obstkiste wird mit der Öffnung nach unten aufgestellt und ca. 15 cm x 15 cm große Löcher reingeschnitten. Dann bedeckt man die Kiste mit Laub oder Stroh und Zweigen. Man kann auch im Garten eine Ecke für Wildtiere „unaufgeräumt“ belassen. Ein paar Brennnesseln, ein paar Zweige bzw. Reisig, viel Laub und ev. etwas Stroh können schon ein Winterquartier für einen Igel sein.

Die richtige Fütterung

Für die Fütterung des Igels eignen sich Katzennassfutter oder zur Not Katzentrockenfutter und eine kleine Schüssel mit Wasser. KEINE MILCH ANBIETEN! Milch ist für Igel nicht geeignet: Die Tiere trinken sie, aber bekommen Durchfall. Bitte auch KEINE ROHEN EIER verfüttern! Die Futterschüsseln sind ständig sauber zu halten.

 

Überwinterung

Merkblatt Igel Überwinterung - ist momentan in Bearbeitung.

Auswilderung 

Nach der Überwinterung, wenn die Nacht-Temperaturen langfristig über 10 Grad liegen, kann der Igel ausgewildert werden. Findet dies an einem revierfremden Ort statt, muss der Igel zunächst 3 Wochen im Garten in einem 4 m² Gehege gehalten und versorgt werden. Nach dieser Zeit kann das Gehege abgebaut werden. Es hilft dem Igel sehr, wenn er noch zwei Wochen weiter gefüttert wird. Danach sollte man das Futter langsam reduzieren.

Igelfütterung

Für die tägliche Futterration benötigen sie:

- 200 – 400 Gramm Katzendosenfutter mit mindestens 60 % Fleischanteil

(wir verwenden: ANIMONDA CARNY Adult) o geeignete Fleischsorten: Rind und/oder Geflügel

- 2 - 3 Esslöffel reines Insektenvogelfutter

(wir verwenden: CLAUS Fett-Alleinfutter Typ IV blau)

- 1 - 2 Teelöffel Haferflocken (für die Ballaststoffe)

- 1 Spritzer Lein- oder Rapsöl

Bei jungen Igeln unter 200 Gramm ersetzt man das Katzenfutter Adult durch Kitten-Futter (wir verwenden ANIMONDA CARNY Kitten)

Zusätzlich eignet sich:

- Rührei ohne Fett oder Gewürze gebraten

- Hackfleisch ohne Fett oder Gewürze gebraten (mag nicht jeder Igel)

- Geflügelfleisch ohne Gewürze gekocht

- Lebende Zophobas oder Mehlwürmer (werden besonders gut angenommen und sind reich an Proteinen). Für die Aufbewahrung setzen sie die Tiere in ein Sieb und dieses wiederum in eine Schüssel. Ein Stück Salatblatt oder Gras als Futter. So leben die Würmer länger.

Wie füttere ich richtig?

Je nach Größe und Gewicht nimmt man ca. 200 – 400 Gramm Katzendosenfutter und mischt 2 Esslöffel Insekten-Vogelfutter, 1 Teelöffel Haferflocken und einen kleinen Schuss Leinöl in einem flachen Schälchen.

Abends stellt man dem Igel das Futter bereit, im Gehege eignen sich Futterhäuschen gut.

Dazu kann man jeden Tag abwechselnd eine Portion Rührei, Mehlwürmer oder Zophobas (in einem glatten, etwas höheren Keramikschälchen, damit sie nicht weg können) anbieten.

Man erkennt ganz einfach ob man zu wenig füttert: ist das Schälchen leergeschleckt, sollte man die Portion vergrößern, bleibt viel übrig, einfach etwas weniger füttern.

WICHTIG: keine Schnecken oder Regenwürmer füttern. Diese sind Parasitenträger und der Igel wird krank. Schnecken sind auch nicht die Leibspeise eines Igels wie fälschlicherweise oft angenommen.

KONTROLLE: Durch tägliches wiegen (Datum, Gewicht und eventuelle Besonderheiten notieren) kann man erkennen, ob der Igel gut zunimmt. In der Regel kann man von ca. 10 bis 20 Gramm Gewichtzunahme pro Tag ausgehen.

Bleibt der Igel auf dem gleichen Gewicht oder nimmt in 4 – 7 Tagen stetig ab, wenden sie sich an einen Tierarzt mit Igelkenntnis, eine Igelstation in Ihrer Nähe oder rufen sie uns an.

In der Saison von August bis Ende November und März bis Mai bitten wir sie allerdings um Verständnis, dass unsere telefonischen Beratungsmöglichkeiten Aufgrund der hohen Igelanzahl in unserer Abteilung (bis zu 250 Igel und mehr) sehr begrenzt ist. Bitte rufen sie ausschließlich Nachmittags zwischen 14 Uhr bis 16 Uhr an.

ACHTUNG: in der Winterschlafphase Igel nicht stören. Erst wieder wiegen, wenn der Igel wach ist.

 Merkblatt Igel Auswilderung - ist momentan in Bearbeitung.

Mehr Infos finden Sie hier:
Tierheim München gGmbH Telefon: 
Wildtierabteilung 
089 921 000-76
wildtiere@remove-this.tierheim-muenchen.de

» www.pro-igel.de

» www.igelhilfe-schwaben.de

» www.bund.net/themen_und_projekte/artenschutz/saeugetiere/igel/