In der Presse - Tierschutzverein München

Dank Stadt und Spenden gut aufgestellt

BR März 2015

Für Tiere geben die Deutschen viel Geld aus: Knapp sieben Milliarden Euro. Doch bei Tierheimen hört die die Liebe auf. Jetzt schlägt der Tierschutzbund Alarm: Viele Tierheime stehen mit dem Rücken zur Wand. Es fehlen die Einnahmen: Die Kommunen halten sich oft mit finanziellen Hilfen zurück. Das Münchner Tierheim im östlichen Stadtteil Riem beherbergt rund 8.000 Tiere: von Mäusen über Kaninchen, Hunden zu Ponys. Geführt wird das Haus vom Münchner Tierschutzverein. Der Fall ist keine Seltenheit: Eine Mutter kommt mit ihren Kindern und zwei Hunden im Tierheim Riem an. Ein Hund hat sich den Knöchel gebrochen, der andere hat einen Leberschaden. Die Behandlungskosten würden über 2.000 Euro ausmachen. Jetzt steht die Familie tränenüberströmt vor Kurt Perlinger, dem Leiter des Tierheims, und will die Hunde abgeben.

Dann übernimmt der Tierschutzverein die Pflege und die Haltung. Und zwar solange bis sich ein Halter findet. Aber genau das ist dann das Problem: Denn die Tiere, die im Tierheim landen, sind oft schwierig im Umgang, sind verhaltensgestört oder aggressiv. Zwar unterhält der Tierschutzverein auch einen Gnadenhof, der aber kostet. Gehälter für die Pfleger, Tierarztkosten - insgesamt rund 2,5 Millionen Euro. Sogar zwei Lamas hat das Tierheim. Die wurden dem Besitzer wegen nicht artgerechter Haltung vom Gesundheitsamt entzogen und im Tierheim abgegeben. Für solche Dienste zahlen die Kommunen den Tierheimen eine Pauschale.

"Die Kommune zahlt so fünf Cent im Monat pro Einwohner. Und das ist in etwa ein Viertel von dem, was wir für den Tierschutzbereich ausgeben." Kurt Perlinger, Leiter des Münchner Tierheims

Den Rest begleicht das Tierheim mit Spenden. Der Unterstüzterkreis ist hier sehr hoch. Aber Perlinger unterstreicht, dass das ein Einzelfall sei. Denn: Jedes Tierheim muss die Pauschale mit seiner Kommune aushandeln. Es gibt keine einheitlichen Regelung. Besonders für kleine Tierheime ist das ein Problem. Um Geld zu bekommen, müssen die Tierheime genau Buchführen: Wie viele Tiere das Tierheim beherbergt, wann mit was gefüttert wurde.

"Bei uns sitzen zwei Leute nur am Computer und erfassen Daten für die Stadt München, damit wir dann das Geld bekommen. Das ist das Problem bei den kleinen Tierschutzvereinen. Die können den Verwaltungsaufwand gar nicht betreiben - und damit den Gemeinden auch nicht die Kosten nachweisen." Kurt Perlinger, Leiter des Münchner Tierheims

Genau aus diesem Grund bekommen manche Tierheime nicht die Pauschale von ihren Gemeinden, die sie eigentlich bräuchten. Perlinger jedenfalls ist generell skeptisch, was die finanzielle Zukunft der Tierheime betrifft - für größere Investitionen jedenfalls wird das Geld nicht mehr reichen.