Wildtier des Monats

April 2021: Der Buntspecht

Spechte sind ein Wunderwerk der Natur. Sie sind wichtige Baumeister und schaffen für zahlreiche andere Tiere Bruthöhlen. Ein Specht kann in der Sekunde bis zu 20x trommeln und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h. Wenn ein Specht um ein Weibchen trommelt, dann tut er dies in höchster Geschwindigkeit und bis zu 12.000 Mal am Tag an irgendeinem Klangkörper der besonders laut ist. Dies kann ein hohler Baum, aber auch mal eine Hauswand oder Regenrinne sein. Aber warum bekommt er dabei keine Kopfschmerzen?

Grund ist der besondere Aufbau des Schädels, der mehrere spezielle Anpassungen hat: Der Schnabel sitzt so tief, dass die Kraft größtenteils am Gehirn vorbeigeleitet wird. Jeder Schlag wird mit starrem Hals und Kopf geradlinig aus der Schulter ausgeführt. Das Gehirn ist von besonders wenig Flüssigkeit umgeben, damit es starr im Schädel sitzt und nicht durch Schockwellen gegen die Schädeldecke geschleudert wird. Ebenso besitzt der Schädel besonders starke Muskeln, Bänder und Sehnen, die wie ein Stoßdämpfer den Aufprall abfedern. Damit der Specht keine Splitter in die Augen bekommt, schließt er diese eine Millisekunde vor dem Aufprall. 

Der Buntspecht ist mit großem Abstand die häufigste Spechtart in Mitteleuropa. Er ist wenig anspruchsvoll und sehr anpassungsfähig. Man findet ihn in allen Wäldertypen, aber auch in Gärten und Parks. Im Winter, wenn die Insekten unter der Baumrinde knapp werden, die er mit seiner sehr langen, platten Zunge mit Widerhaken am Ende aufspießt, weicht er auch gerne auf Vogelfutterplätze aus. Er ernährt sich aber auch von Beeren, Samen, Zapfen und Nüssen. Um diese zu knacken, zimmert er sich eine sogenannte „Spechtschmiede“. Dazu hackt er in einen Ast ein passendes Loch und klemmt dort den zu knackenden Gegenstand oder harte Käfer ein, um sie dann mit dem Meißelschnabel, wie auf einem Amboss, zu bearbeiten.

Buntspechte haben behaarte Nasenlöcher, damit keine Splitter hineinfallen können. Um sich fest am Baum zu halten sind von ihren vier Zehen zwei nach vorne und zwei nach hinten gebogen. Zur Stütze dient noch ein kurzer, kräftiger Schwanz mit besonders starken, keilförmigen Federn.

Besonders gesellig sind diese Vögel nicht. Eigentlich können sie ihre Artgenossen nicht besonders gut leiden. Zur Paarungszeit haben sie deshalb anfangs Schwierigkeiten sich aufeinander einzulassen. Ihre ersten Annäherungsversuche starten oft mit lautem Gezeter und aufgebracht aufgestelltem Gefieder als würden sie eher streiten. Sie nähern sich nicht mit Brautgeschenken oder Zärtlichkeiten an, sondern beginnen zu trommeln bis sie sich im Gleichklang befinden. 

Die Höhle zimmert das Männchen selbst in einen Baum bevor er lockend trommelt. Manchmal muss aber schnell eine Ersatzhöhle gezimmert werden, weil sich einfach ein Eichhörnchen oder ein anderer Vogel in die bereits vorbereitete Höhle eingenistet hat und das Weibchen dringend seine Eier legen muss. In 2-3 Tagen kann im Notfall eine neue Höhle fertig sein. 

Bei der Brut sind die Spechte harmonischer. Sie bebrüten gemeinsam die Eier und kümmern sich um die Aufzucht. Es kann allerdings sein, dass sich das Weibchen, zusätzlich zu einem erfahrenen Männchen, einen jungen Kerl für eine Zweitbrut sucht. Sie hilft dabei bei beiden Bruten mit. 

Buntspechte sind nicht gefährdet. Dennoch helfen sie mit ihren Baumhöhlen vielen bedrohten Arten. Spechte sind auf alte Bäume und Insektenlarven angewiesen. Deshalb sollten tote Bäume oder Fallholz im Garten und Wald stehen bzw. liegen gelassen werden. Vor einer Baumfällung zwischen März und Juli muss unbedingt der Stamm nach einer Nisthöhle abgesucht und im Zweifel die Fällung verschoben werden.