Wildtier des Monats

Januar 2019: Die Spitzmaus

Mit einer spitzen Schnauze, winzigen Augen, kleinen Ohren und einem wehrhaften Gemüt wuseln diese kleinen Wesen durch unsere Gärten. Auf den ersten Blick wirken sie wie eine seltsame Maus. Doch eigentlich gehören sie gar nicht zu den Mäusen. Viel näher sind Spitzmäuse mit dem Maulwurf und dem Igel verwandt. 

Den irreführenden Namen wollte die Gesellschaft für Zoologie 1942 in die ältere Bezeichnung „Spitzer“ ändern, doch Adolf Hitler soll dies verboten haben mit den Worten „Wenn Sie nichts Wichtigeres zu tun haben, kann ich Sie auch gerne an die Front schicken.“ (sinngemäß).

Spitzmäuse gibt es schon seit mindestens 30 Millionen Jahren. Sie hatten also viel Zeit sich anzupassen. So gilt die Etruskerspitzmaus mit nur niedlichen 1,8 Gramm und 3,5 -5 cm Körpergröße, zusammen mit der Schweinsnasenfledermaus, als weltweit kleinstes Säugetier. Wasser- und Sumpfspitzmäuse sind hervorragende Taucher. Damit ihr Fell nicht nass wird, reiben sie sich an Pflanzen und laden es damit elektrostatisch auf. Außerdem sind sie die einzigen europäischen Säugetiere, die Giftdrüsen besitzen. Für den Menschen ist das Gift allerdings ungefährlich. Neben Walen und Fledermäusen zählen Spitzmäuse zudem zu den wenigen Säugetieren mit Echoortung

Auch jetzt im Januar sind diese emsigen Insektenfresser hoch aktiv und suchen unermüdlich nach Nahrung. Ihr Energiebedarf ist so hoch, dass sie nach drei Stunden ohne Nahrung verhungern würden. Für Hungerperioden haben sie zwei Strategien entwickelt: Manche Arten senken ihre Körpertemperatur für kurze Zeit auf bis zu 18 °C ab. Andere verringern im Winter ihre Körpergröße. Dazu schrumpfen die Organe inklusive des Gehirns um bis zu 20%. Selbst ihre Knochenmasse können sie um bis zu 15% ab- und im Frühjahr größtenteils wiederaufbauen. Forscher versuchen diesen Vorgang zu analysieren, um daraus ein Heilmittel für Knochenkrankheiten zu entwickeln. 

Muss eine Spitzmaus-Mama mit ihren bis zu zehn Kindern umziehen, so bilden manche Arten eine Kette, die liebevoll als „Spitzmaus-Polonaise“ bezeichnet wird. Dabei beißt jedes Spitzmäuschen in die Schwanzwurzel eines Geschwisterchens. Die fürsorgliche Mama führt ihre sehschwachen Jungtiere so zügig und sicher in ein neues Nest. Übrigens fangen unsere Hauskatzen zwar Spitzmäuse, sie fressen diese aber in der Regel nicht - vermutlich wegen ihres Gestanks. 

Im alten Ägypten wurden Spitzmäuse als Manifestation eines Gottes verehrt und sogar mumifiziert. In China erinnert ihr Fiepen an das Wort für Geld, weswegen eine Spitzmaus im Haus Geldsegen bedeutet.

Bedroht sind Spitzmäuse, wie viele andere Tiere, durch die zunehmende Zerstörung ihres Lebensraums. Wer sie im Garten unterstützen möchte, sollte in diesem natürlich verwilderte Bereiche anlegen.