Wildtier des Monats Mai

Die Stockente

Die Anzahl der Anrufe und Meldungen besorgter Bürger häufen sich in diesem Monat. Stockenten brüten jetzt zunehmend auf Balkonen, Flachdächern oder Innenhöfe. Orte an denen die Jungen sehr tief fallen oder flugunfähig nicht wegkommen. Das liegt daran, dass Enten als Kulturfolger vermehrt in Städten brüten. Hier sind die Brutmöglichkeiten sehr begrenzt.

Die Ente wählt ihren Nistplatz nicht nach Gewässernähe oder nach einem für die Jungen sicher zu verlassenden Ort aus, sondern wählt einen Ort, wo kein Nesträuber die Eier stehlen kann. Die Entenmutter ist sogar so vorsichtig, dass sie am vierten Tag, bis dahin hat sie jeden Tag ein Ei gelegt, das Nest unverdeckt verlässt. War kein Nesträuber da, wenn sie zurückkommt, legt sie weitere Eier und deckt nun das Nest sorgfältig ab, falls sie es mal verlassen muss. Die Eier entwickeln sich erst, wenn sie mit dem Brüten beginnt, somit ist gewährleistet, dass alle Eier gleichzeitig schlüpfen.

Will man die Mutter samt Nachwuchs an einen sicheren Ort bringen, muss dies so früh wie möglich nach dem Schlupf passieren. Der Erpel hat sich wegen seiner auffälligen Färbung vom Nest fernzuhalten. Diese Zeit nutzt der Entenvater um zu mausern. Da er alle seine Schwungfedern auf einmal mausert, ist er 3 - 5 Wochen flugunfähig. Die Weibchen sind da durchaus fürsorglicher. Erst wenn die Jungen ausgeflogen sind nimmt sie sich Zeit, sich wieder um sich selbst zu kümmern und erneuert ihre Federn.

Zwar umsorgt sie ihre Kinder nicht wie wir ca. 18 Jahre lang; dafür betreut sie vier Monate lang bis zu 16 Küken. Dass sie hinterher etwas zerrupft und nicht mehr ganz frisch aussieht, ist sicher nachvollziehbar. Bunte, ungewöhnlich gefärbte Stockenten sind übrigens Hybriden aus unseren Hausenten, deren Urform die Stockente ist. Selten sind es Hybriden aus anderen Entenarten und einer wilden Stockente. In der Stadt sind solche fehlgefärbten Enten weitaus häufiger anzutreffen als auf dem Land.

Übrigens stammt der Name Stockente daher, dass sie früher häufig auf Weiden brüteten, die „auf Stock“ gesetzt wurden. Das bedeutet, dass sie bis auf den Stumpf zurück geschnitten sind, um dichter zu treiben. Früher wurde die Stockente umgangssprachlich auch als Wildente bezeichnet, was als Bestimmungsname denkbar ungeeignet ist. Im bayrischen hält sich jedoch weiterhin hartnäckig die Bezeichnung „Wuidantn“.