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Wildtier des Monats

Juni 2019: Der Dachs
Silbernes Fell, eine schwarze unverkennbare Maske und kurze Beine sind die Markenzeichen dieses pummeligen Säugetiers. Grimbart wird er in Fabeln genannt und obwohl er der größte Vertreter der Marderfamilie ist, sieht man ihn nur selten lebend. Grund sind die nachtaktive Lebensweise und die Bevorzugung von Wäldern als Lebensraum.

Nachdenklich und ruhig, wie Grimbart in den Fabeln beschrieben wird, ist der Dachs allerdings absolut nicht. Das Schleckermaul ist nicht nur ständig auf Nahrungssuche und steckt seine spitze Nase neugierig in jedes Erdloch, es gräbt mit seinen großen Grabpfoten auch für sein Leben gern und wird deshalb auch Erdmarder genannt. Der Name Dachs stammt wohl vom indogermanischen Wort „taks“ bzw. „taksan“ für „bauen“ bzw. „Zimmermann“ ab.

Wie der Wolf lebt der Dachs in Familienverbänden, bewohnt dabei über Generationen den gleichen Erdbau und duldet dabei sogar Füchse als Untermieter. Jede Generation erweitert den Bau. So wurde ein Bau mit knapp 900 Meter Tunnel und mehreren Etagen gefunden, bestehend aus 50 Kammern und knapp 180 Eingängen, der vermutlich seit Jahrhunderten benutzt wird. Damit es alle schön bequem haben, wird der ganze Wohnbereich mit Moos und Gras gepolstert und regelmäßig ausgetauscht.
Gekotet wird natürlich auch nicht im eigenen Haus, dafür besitzen Dachse Außenklos, bestehend aus gegrabenen Erdlöchern. Zugeschüttet werden diese Löcher jedoch nicht, denn sie dienen der Reviermarkierung und der Geruch lockt Fliegen an - und so ein paar fettgefressene Maden sind ein willkommener Leckerbissen für zwischendurch.

Wählerisch sind Dachse ansonsten nicht. Sie fressen was ihnen vor die gierige Schnauze fällt und durchkämmen dabei systematisch die Gegend. Im Gegensatz zum Fuchs findet der Dachs so auch mal ein geruchloses Kaninchenbaby oder Rehkitz in der Wiese, da er diese zick-zack abläuft. Eigentlich ist er aber der einzige Vertreter der Marderfamilie, der kaum jagt und sich auch lange nur vegetarisch ernährt.
Mit der Treue haben Dachse es nicht so. Nach dem Motto der freien Liebe wird kreuz und quer gepaart und das ein oder andere Männchen bezirzt auch mal eine Hübsche aus einem anderen Bau. Wer zusammengehört, markiert sich gegenseitig mit einem Sekret aus den Analdrüsen.

Die Weibchen besitzen die Fähigkeit zur Keimruhe. Gepaart wird sich das ganze Jahr und die Dame kann dann praktischerweise selbst entscheiden, wann sich die Embryonen entwickeln und geboren werden sollen. Dies passiert jedoch meist zwischen Januar und März. Jetzt im Juni verlassen die meisten Dachskinder ihren Bau zum ersten Mal und gehen auf kleine Entdeckungstouren.

Übrigens meint die Bezeichnung „Frechdachs“ vermutlich nicht den Dachs, sondern bezieht sich auf das aufgeweckte Wesen des sogenannten „Dachshundes“, heute bekannter als Dackel, der ursprünglich gezüchtet wurden um Dachse und Füchse aus ihren Bauten zu jagen.

Die Jagd auf Dachse hat stark abgenommen. Bedroht wird dieser familiäre Waldbewohner aber durch die Intensivierung der Landwirtschaft, das Fehlen von Hecken und Gehölzen, aber auch durch den Straßenverkehr. Wer nachts in Waldgegenden unterwegs ist, sollte besonders langsam und vorsichtig fahren.