Die Kreuzotter

Kreuzottern sind leicht von anderen Schlangen zu unterscheiden, sofern man es schafft ihnen tief in die Augen zu sehen. Denn als unsere einzige Vipernart haben sie senkrecht geschlitzte Pupillen, alle anderen unsere Schlangenarten haben runde Pupillen. Doch so nah wird man ohne Hilfsmittel kaum an die Kreuzotter herankommen, denn sie sind äußerst scheu.

Da sie schlecht sehen können, reagieren sie besonders gut auf Erschütterungen und ziehen sich bei Annäherung eines Menschen rasch zurück. Bisse passieren meist, wenn jemand aus Versehen auf eine Kreuzotter in ihrem Versteck tritt oder sie zu sehr bedrängt. Kommt man ihr zu nah und Flucht ist keine Option mehr, droht sie durch Zischlaute und nimmt eine S-förmige Körperhaltung ein, aus der sie blitzschnell nach vorne schnellen und beißen kann.

Obwohl sie starkes Gift besitzt, ist die injizierte Giftmenge so gering, dass sie höchstens für Kinder oder alte Menschen gefährlich wird. Viele Menschen bemerken den Biss nicht einmal, denn eigentlich ist ihr Gift für Beutetiere wie Mäuse, Vögel oder Amphibien gedacht. Es würde fünf Kreuzotterbisse von verschiedenen Tieren benötigen, damit die Dosis für einen durchschnittlichen Erwachsenen tödlich wäre.

Theoretisch wäre die Kreuzotter auch an ihrem namensgebenden Kreuzmuster auf ihrem Rücken erkennbar, gäbe es da nicht wie so oft Ausnahmen. Sogenannte Höllenottern sind komplett schwarz gefärbt, Kupferottern komplett rotbraun, ohne das Kreuzmuster. Früher hielt man sie für eigene Arten, aber sie sind nur eine andere Farbgebung der Kreuzotter.

Kreuzottern können bis zu 15 Jahre alt und 90 cm lang werden, wobei die Weibchen meist deutlich länger sind als die Männchen. Neben der einzigen Giftschlange Bayerns stellen sie noch einen Rekord auf: Kreuzottern sind die einzige Schlangenart, die sogar nördlich des nördlichen Polarkreises noch zu finden sind.  Als Anpassung an die Kälte können sie aktiv ihre Rippen nach außen abspreizen und so die Aufnahmefläche für wärmende Sonnenstrahlen vergrößern.

Den Winter überbrückt die Schlange mit bis zu 8 Monaten Kältestarre. Dazu zieht sie sich oft mit anderen Reptilien in einen geschützten Unterschlupf zurück. Nach der Paarung im Frühjahr bringen Kreuzottern zwischen August und Oktober bis zu 18 bleistiftgroße Junge auf die Welt. Kreuzottern sind ovovivipare Reptilien. Dies bedeutet, sie brüten ihre Eier bereits im Mutterleib aus und die Jungen schlüpfen aus den dünnen Eihäuten während des Geburtsvorgangs. Auch hier handelt es sich um eine Anpassung an kühlere Regionen, denn so kann die Mutter aktiv Sonnenplätze aufsuchen und für ausreichend Wärme für die Eier in ihrem Leib sorgen.

Erst nach drei bis vier Jahren werden junge Kreuzottern geschlechtsreif. Bei der Paarung führen Männchen ritualisierte Kämpfe durch ohne sich zu verletzen und ganz im Sinne der Romantik geht dem Paarungsakt ein langes Vorspiel voraus.

Früher wurden Kreuzottern mit Kopfgeldprämien gejagt und beinahe ausgerottet. Noch heute steht die Kreuzotter auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten. Auch die Zerstörung ihrer Lebensräume macht ihr bis heute zu schaffen.

Kreuzottern sind sehr standorttreue Tiere und benötigen einen strukturierten Lebensraum, der sowohl Winterquartiere, Sonnenplätze wie auch genug Deckung bietet. Sie bevorzugen Reviere mit starker Tag-Nacht-Temperaturschwankung und hoher Luftfeuchtigkeit. Zuviel Veränderungen in ihrem Revier wie Aufforstung, Trockenlegung oder Entbuschung verdrängen oder töten sie. Wer eine Kreuzotter sieht, sollte sie in Ruhe lassen, aus der Ferne beobachten und kann ihr Vorkommen gerne einer örtlichen Naturschutzbehörde melden

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