Bitte beachten Sie: Laut Gesetz dürfen Igel nur dann der Natur entnommen werden, wenn sie tatsächlich verwaist, verletzt, krank und oder aus sonst einem Grund hilfsbedürftig sind. Nur dann dürfen sie gefüttert bzw. gesundgepflegt werden.

Welcher Igel braucht Hilfe?

Merkmale des gesunden Igels:

  • Er ist in der Dämmerung und in der Nacht aktiv.

  • Seine Form ist tropfenförmig, vorne spitz hinten rund.

  • Er hat halbkugelförmige schwarze Knopfaugen.

  • Seine Nase ist feucht.

  • Er rollt sich bei Annäherung fest zusammen und erst wieder aus, wenn die Gefahr vorbei ist.

  • Seine Stacheln stellt er kreuz und quer auf.

  • Wenn er meint, dass die Zeit reicht, flitzt er hochbeinig und schnell in Sicherheit.

  • Der Kot gesunder Igel ist ein dunkles geformtes Würstchen.

Merkmale des kranken Igels:

  • Die Form kranker Igel ist walzenförmig.

  • Sie haben oft eine auffällige Nackenfalte (Hungerfalte).

  • Die Augen liegen tief in den Höhlen und werden oft nur schlitzförmig geöffnet.

  • Die Nase ist meist trocken.

  • Die Körpertemperatur kann kühl sein.

  • Der Gang kranker Igel ist langsam, wackelig oder sie liegen und stehen nicht auf.

  • Kranke Igel rollen sich kaum ein und schnell wieder aus, wirken zahm.

  • Die Stacheln liegen an und werden kaum aufgestellt.

  • Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig oder blutig.

Faustregel: Handelt es sich bei den aufgefundenen Igeln um Igeljungen, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, so haben die Tiere ihre Mutter verloren und brauchen dringend Hilfe.

Ich habe einen Igel aufgenommen - was ist zu tun?

Checkliste:

1. Pflegeprotokoll anlegen

Nimmt man einen hilfsbedürftigen Igel bei sich auf, ist das Anlegen eines Pflegeprotokolls sinnvoll. Man sollte festhalten, wann und wo (Fundstelle) man den Igel gefunden hat. Denn Igel sind ortsgebunden und sollten auch an der Fundstelle wieder ausgewildert werden. Zusätzlich sind das Gewicht und der Gesundheitszustand festzuhalten. Um eventuelle Krankheiten festzustellen, sollte man einen Tierarzt aufsuchen. Das muss vor der Aufnahme eines Igels in Menschenhand untersucht werden:

  • Liegen Verletzungen vor? Dazu bitte Kopf, Bauchseite und Beine überprüfen.

  • Ein gesunder Igel rollt sich bei der kleinsten Berührung sofort zusammen. Macht der Igel das nicht, deutet dies auf ein gestörtes Allgemeinbefinden hin. Aber: Krankheiten können nur von einem Tierarzt festgestellt werden.

  • Das Gewicht des Igels sollte ebenfalls überprüft werden. Herrscht schon Dauerfrost und die Igel wiegen nicht mindestens 500 Gramm, werden sie den Winterschlaf vermutlich nicht schaffen und brauchen Hilfe.

  • Ist die Bauchseite des Igels deutlich kälter als die eigene Hand, deutet dies auf eine Unterkühlung hin. Man legt eine handwarme Wärmflasche, in ein Frottee- Handtuch eingewickelt, in einen hochwandigen Karton und setzt den Igel dort hinein, um ihn aufzuwärmen.

Parasitenbefall: Zecken und Flöhe sind bei Igeln normal. Möchte man dennoch einen Igel entflohen, so eignet sich Pedicul Jacutin dafür, es wird in einem dünnen Streifen die Wirbelsäule entlang einmalig gesprüht. Niemals Frontline oder Spot-On verwenden, da dies Igel tötet!

2. Ein Igelgehege mit Schlafplatz einrichten

Wenn möglich, bietet man auch dem gesunden Igel im Garten eine Unterkunft an. Eine Obstkiste wird mit der Öffnung nach unten aufgestellt und ca. 15 cm x 15 cm große Löcher reingeschnitten. Dann bedeckt man die Kiste mit Laub oder Stroh und Zweigen. Man kann auch im Garten eine Ecke für Wildtiere „unaufgeräumt“ belassen. Ein paar Brennnesseln, ein paar Zweige bzw. Reisig, viel Laub und evtl. etwas Stroh können schon ein Winterquartier für einen Igel sein.

3. Die richtige Fütterung

Zur abwechslungsreichen Ernährung eignen sich als Grundnahrungsmittel:

  • Katzenfutter (min. 60 % Fleisch)

  • Eier (hartgekocht oder als Rührei)

  • Geflügelfleisch (gekocht)

  • Hackfleisch (kurz anbraten, so dass es durchgegart ist)

Als darunter zu mischende „Ballaststoffe“ eignen sich:

  • Weizenkleie

  • Haferflocken

KEINE MILCH ANBIETEN! Milch ist für Igel nicht geeignet: Die Tiere trinken sie, aber bekommen Durchfall. Bitte auch KEINE ROHEN EIER verfüttern! Die Futterschüssel sind ständig sauber zu halten.

4. Auswilderung

Nach der Überwinterung, wenn die Nacht-Temperaturen langfristig über 10 Grad liegen, kann der Igel ausgewildert werden. Findet dies an einem revierfremden Ort statt, muss der Igel zunächst 3 Wochen im Garten in einem 4 m2 Gehege gehalten und versorgt werden. Nach dieser Zeit kann das Gehege abgebaut werden. Es hilft dem Igel sehr, wenn er noch zwei Wochen weiter gefüttert wird. Danach sollte man das Futter langsam reduzieren.

Ratgeber:

Telefonischen Rat gibt es auch bei unserer Wildtierbiologin: 089 921 000-14 oder per E- Mail an:
l.schuebel@tierschutzverein-muenchen.de

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