Ein guter Tag

SZ, 19.09.2016

Zahlreiche Besucher sehen, wie Hunde und Katzen untergebracht sind. Einige Tiere finden vielleicht sogar ein neues Zuhause.

Für zwei der 25 Hunde auf dem Gnadenhof in Kirchasch ist der vergangene Sonntag ein ganz besonderer Tag gewesen: Sie haben vielleicht ihren neuen Besitzer kennengelernt. "Wir überprüfen im Moment die Bewerbungen. Wenn alles gut geht, können die Hunde noch Ende der Woche umziehen", sagt Irmgard Passauer vom Vorstand des Münchner Tierschutzvereines. Insgesamt seien am Tag der offenen Tür400 bis 500 Besucher auf das Gelände des Gnadenhofes und des Erdinger Tierheims gekommen, doch von allen Veranstaltungen sei die Vorstellung der Hunde am Besten angekommen.

Im Gegensatz zu Hunden werden Katzen aber so gut wie nie vermittelt, zwei sind schon seit 1998 auf dem Hof. Krankheiten oder Verhalten machen eine Vermittlung der Tiere oft unmöglich, sagt Passauer, obwohl sich auch viele durch den Aufenthalt auf dem Hof erholen und verändern: "Der Gnadenhof bietet den Tieren eine ruhige Atmosphäre, in der sie entspannen und wieder Vertrauen zu den Menschen fassen", erklärt sie. Auch wilde Tiere wurden in letzter Zeit beim Tierheim abgegeben. Zwölf Igelbabys und fünf junge Siebenschläfer werden aufgezogen und später wieder ausgewildert. Auf dem Gnadenhof lebt auch ein handzahmer Marder, der von Pflegern großgezogen wurde. Jetzt füttern sie ihn nur noch, damit er wieder verwildert. "Das ist nur hier möglich", erklärt Passauer. "In einem normalen Tierheim hätte man dafür nicht genügend Platz."

Große Erlöse bringen Veranstaltungen wie der Tag der offenen Tür nicht, ein paar 1000 Euro plus, schätzt Passauer. Das sei nicht viel, wenn man bedenke, dass ein längst überfälliger neuer Zaun mehr als 80 000 Euro koste. Doch solche Veranstaltungen seien sehr wertvoll für den Gnadenhof, meint Passauer: "Das ist die beste Werbung für uns, das Interesse der Leute steigt dadurch ungemein. Sie entschließen sich dann öfter dazu, eine Patenschaft zu übernehmen oder verlieben sich in einen unserer Hunde und geben ihm ein neues Zuhause. Längerfristig verdienen wir also viel mehr als an diesem einen Tag zusammen kommt."

Text: Yvonne Ramp, Bockhorn

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