Tierischer Ratgeber: Herbst

Herbstzeit = Igelzeit!

Im Herbst herrscht unter Igeln ein reges Treiben, denn sie haben viel vor!

Bis zum Wintereinbruch müssen sie sich soviel Gewicht anfuttern, dass sie den Winterschlaf gut überstehen. Manche Igel, besonders Jungtiere, brauchen Hilfe, manche aber auch nicht. Hier gibt viel zu beachten, damit man den Tieren nicht mehr schadet als nutzt. 

Bitte beachten Sie: Laut Gesetz dürfen Igel nur dann der Natur entnommen werden, wenn sie tatsächlich verwaist, verletzt, krank und oder aus sonst einem Grund hilfsbedürftig sind. Nur dann dürfen sie gepflegt, gefüttert bzw. gesund gepflegt werden.

 

Wichtig: Für den Zeitpunkt des Winterschlafs ist nicht der Monat entscheidend, sondern die Außentemperatur. Igel, die noch bei Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke draußen herumlaufen, sind meist krank oder geschwächt. Oft handelt es sich um Jungtiere, die zu spät geboren wurden, um sich noch ein ausreichendes Winterfettpolster anzufressen.

Welcher Igel braucht Hilfe? 

Merkmale des gesunden Igels:

  • Er ist in der Dämmerung und in der Nacht aktiv.
  • Seine Form ist tropfenförmig, vorne spitz hinten rund.
  • Er hat halbkugelförmige schwarze Knopfaugen.
  • Seine Nase ist feucht.
  • Er rollt sich bei Annäherung fest zusammen und erst wieder aus, wenn die Gefahr vorbei ist.
  • Seine Stacheln stellt er kreuz und quer auf.
  • Wenn er meint, dass die Zeit reicht, flitzt er hochbeinig und schnell in Sicherheit.
  • Der Kot gesunder Igel ist ein dunkles geformtes Würstchen.

Merkmale des kranken Igels:

  • Kranke und verletzte Igel werden meist am Tag gefunden, oft ohne jegliche Deckung liegend.
  • Die Form kranker Igel ist walzenförmig.
  • Sie haben oft eine auffällige Nackenfalte.
  • Die Augen liegen tief in den Höhlen, werden oft nur schlitzförmig geöffnet.
  • Die Nase ist meist trocken.
  • Die Körpertemperatur kann kühl sein.
  • Der Gang kranker Igel ist langsam, mehr wackelig oder sie liegen und stehen nicht auf.
  • Kranke Igel rollen sich kaum ein und schnell wieder aus, wirken zahm.
  • Die Stacheln liegen an und werden kaum aufgestellt.
  • Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig oder blutig.

Faustregel: Handelt es sich bei den aufgefundenen Igeln um Igeljungen, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, so haben die Tiere ihre Mutter verloren und brauchen dringend Hilfe.

Tipp: Sollten Sie einen Igel tagsüber sehen, beobachten Sie ihn zunächst aus sicherer Entfernung. Nur verwaiste Igelsäuglinge, verletzte oder kranke Igel sind wirklich hilfsbedürftig. Kranke oder verletzte Igel erkennt man sofort daran, dass sie am Tag herumliegen, mager sind und sich apathisch verhalten. 

Das muss vor der Aufnahme eines Igels in Menschenhand untersucht werden: 

  • Liegen Verletzungen vor? Dazu bitte Kopf, Bauchseite und Beine überprüfen.
  • Ein gesunder Igel rollt sich bei der kleinsten Berührung sofort zusammen. Macht der Igel das nicht, deutet dies auf ein gestörtes Allgemeinbefinden hin. Aber: Krankheiten können nur von einem Tierarzt festgestellt werden.
  • Das Gewicht des Igels sollte ebenfalls überprüft werden. Igel, die im November noch deutlich unter 500 Gramm wiegen, haben ohne Bereitstellung von zusätzlichem Futter kaum eine Überlebenschance.
  • Ist die Bauchseite des Igels deutlich kälter als die eigene Hand, deutet dies auf eine Unterkühlung hin. Man legt eine handwarme Wärmflasche, in ein Frottee-Handtuch eingewickelt, in einen hochwandigen Karton und setzt den Igel dort hinein, um ihn aufzuwärmen.
  • Parasitenbefall: Zecken und Flöhe sind bei Igeln normal. Nimmt man einen Igel auf, sollten die Flöhe natürlich zum eigenen Schutz entfernt werden. Igel haben in der Regel auch einen inneren Parasitenbefall. Es herrscht bei einem gesunden Igel ein Gleichgewicht zwischen „Wirt“ und „Parasit“. Idealerweise sammelt man vor dem Tierarztbesuch Kot für eine Untersuchung, der Aufschluss über die Menge und Art der Darmparasiten und über bakterielle Infektionen.

Ich habe einen Igel aufgenommen - was ist zu tun?

Pflegeprotokoll anlegen

Nimmt man einen hilfsbedürftigen Igel bei sich auf, ist das Anlegen eines Pflegeprotokolls sinnvoll. Man sollte festhalten, wann und wo (Fundstelle) man den Igel gefunden hat. Denn Igel sind ortsgebunden und sollten auch an der Fundstelle wieder ausgewildert werden. Zusätzlich sind das Gewicht und der Gesundheitszustand festzuhalten. Um eventuelle Krankheiten festzustellen, sollte man einen Tierarzt aufsuchen.

Ein Igelgehege mit Schlafplatz einrichten

Wenn möglich, bietet man dem gesunden Igel im Garten eine Unterkunft an.   Eine Obstkiste wird mit der Öffnung nach unten aufgestellt und ca. 15 cm x 15 cm große Löcher reingeschnitten. Dann bedeckt man die Kiste mit Laub oder Stroh und Zweigen. Man kann auch im Garten eine Ecke für Wildtiere „unaufgeräumt“ belassen. Ein paar Brennnesseln, ein paar Zweige bzw. Reisig, viel Laub und evtl. etwas Stroh können schon ein Winterquartier für einen Igel sein.

Die richtige Fütterung

Für die Fütterung des Igels eignen sich Igelfutter aus dem Fachgeschäft, Katzentrockenfutter, Katzen- oder Hundenassfutter und eine kleine Schüssel mit Wasser. KEINE MILCH ANBIETEN! Milch ist für Igel nicht geeignet: Die Tiere trinken sie, aber bekommen Durchfall. Bitte auch KEINE ROHEN EIER verfüttern! Die Futterschüsseln sind ständig sauber zu halten.

Zur abwechslungsreichen Ernährung eignen sich als Grundnahrungsmittel:

  • Katzen- oder Hundedosenfutter
  • Eier (hartgekocht oder als Rührei)
  • Geflügelfleisch (gekocht)
  • Hackfleisch (kurz anbraten, so dass es durchgegart ist)

Als darunter zu mischende „Ballaststoffe“ (zur guten Verdauung unerlässlich) eignen sich:

  • Weizenkleie
  • Haferflocken
  • Igeltrockenfutter

Auswilderung 

Nach der Überwinterung in Menschenhand ist es Zeit, den Igel wieder in die Freiheit zu entlassen und man wird sehen, dass sich die Mühe gelohnt hat. Denn es wird weniger Schädlinge im Garten geben. Nach der Auswilderung sollte man dem Igel noch circa zwei Wochen lang Futter zur Verfügung stellen, bis der Igel genug Insekten fangen kann. Die Auswilderung darf erst erfolgen, wenn die Nacht-Temperaturen wieder über 10 Grad gestiegen sind. Sonst sind noch keine Insekten unterwegs, die der Igel fressen könnte. Nach dem Winterschlaf hat er viel Gewicht verloren, dass erst wieder aufgeholt werden muss.

Merkblatt Igel Auswilderung

ACHTUNG: Wer ein krankes Tier anfasst, muss auf besonders gründliche Handhygiene achten, denn Krankheitserreger wie z. B. auch Eitererreger oder Salmonellen sind auf Menschen übertragbar

Telefonischen Rat gibt es bei unseren Tierschutzinspektoren: 089 921 00033 oder per E-Mail an inspektoren@remove-this.tierschutzverein-muenchen.de

 

Mehr Infos finden Sie hier:

>> www.pro-igel.de

>> www.igelhilfe-schwaben.de

>> www.bund.net/themen_und_projekte/artenschutz/saeugetiere/igel/