Wildvögel im Frühjahr

Im Frühling bringen uns oft hunderte Tierfreunde Jungvögel ins Münchner Tierheim. Natürlich wissen wir, dass Sie nur helfen wollen – leider jedoch ist diese Hilfe manchmal das genaue Gegenteil und schadet dem Tier mehr als es nützt. Um Ihnen die Unterscheidung leichter zu machen, haben wir für unsere Mitglieder und alle Tierfreunde folgenden Leitfaden erstellt.

Je nach Entwicklungsstadium bzw. Situation des Vogels empfehlen wir folgende Vorgehensweisen:

1. Nackter, offensichtlich hilfebedürftigen Jungvogel oder Nestling mit keinen oder nur sehr wenig Federn

Bitte sehen Sie sich um, ob Sie ein Nest sehen, aus dem der Vogel eventuell herausgefallen sein könnte. Sind Sie sich unsicher, oder sehen Sie mehrere Nester oder gar keines, so braucht der Nestling schnellstens Hilfe. Die meisten Tierärzte nehmen solche Vögel nicht auf, da die Versorgung stündlich stattfinden muss, mit einer kurzen Pause von lediglich 4 Stunden nachts – Tierärzte können das zu ihrer zusätzlichen Arbeit kaum leisten.

Sie können sich in diesem Fall gerne an das Tierheim wenden. Bitte bringen Sie das Tier in einer trockenen Kiste/Karton, am besten mit Küchenkrepp ausgeschlagen, schnellstmöglich zu uns in die Riemer Straße 270. Solche Tiere sind sofort zu behandeln, da sie sämtlichen Umwelteinflüssen absolut schutzlos ausgeliefert sind. Bitte versuchen sie niemals, diese Vögel zu füttern! Eine falsche Fütterung (z.B. Insekten bei einem Körnerfresser) kann das Schicksal dieser Tiere schon besiegeln.

2. Schwer verletzter Jungvogel

Sie sehen Blut, eine Verletzung oder der Vogel hat enorme Schwierigkeiten, sich zu bewegen? Dann versuchen Sie bitte schnellstmöglich, das Tier zu einem Tierarzt zu bringen – der Umweg über das Tierheim ist für den Vogel vielleicht schon das Todesurteil.

3. Vollständig befiederter Jungvogel

Diese Tiere werden als Ästling bezeichnet.  Bitte beobachten Sie die Umgebung des Tieres, bevor Sie eingreifen! Ist der Vogel verletzt, braucht er sofort Hilfe. Sitzt er jedoch einfach ruhig auf dem Boden, halten Sie Ausschau nach den Elterntieren! Jungvögel verlassen das Nest oft in einem gerade noch nicht flugfähigen Zustand. Sie werden weiterhin von den Eltern gefüttert und brauchen Ihre Hilfe nur teilweise. Sprich: Sie sollten den Vogel aus einer eventuellen Gefahrenzone (Straße, stark frequentierter Rad- oder Fußweg) herausnehmen, und in der Nähe in ein Gebüsch/in einen Baum setzen. Deswegen auch der Name Ästling – hier sitzen die Tiere normalerweise und werden gefüttert bis sie voll flügge sind. Beobachten Sie dann, ob die Elterntiere ihr Junges wiederfinden. Entgegen der landläufigen Meinung haben Vögel KEINEN guten Geruchssinn. Sie werden ihr Junges, auch wenn Sie es angefasst haben, weiterhin versorgen. Verloren gegangene Jungvögel werden bis zu 24 Stunden lang von ihren Eltern gesucht!

4. Befiederter Jungvogel, dessen Eltern nicht mehr auffindbar sind, oder der sichtlich geschwächt ist und sich bei Annäherung nicht mehr von Ihnen entfernen kann.

Diese Tiere müssen für ein paar Tage weitergefüttert werden. Bitte machen Sie dies nur, wenn Sie genau wissen, welchem Vogel Sie was füttern können. Auch hier führt eine falsche Fütterung zum Tod des Tieres. Sollten Sie unsicher sein, kommen Sie bitte mit dem Vogel umgehend in unser Tierheim – wir werden uns hier dann um alles Weitere kümmern.

Viele tolle Tipps rund um Wildvögel finden Sie auf www.wildvogelhilfe.org