Ponykarussells

Ein trauriges Leben in der Tretmühle

8. März 2016 - Der Münchner Stadtrat kippt das Ponykarussell-Verbot

Der Münchner Stadtrat konnte in der Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Wirtschaft keine Einigung erreichen. Auf dem Tisch lag ein Antrag der SPD-Fraktion auf ein Verbot des Ponyreitens auf dem Oktoberfest und der Auer Dult. Die CSU hatte ebenfalls einen Antrag eingereicht, der eine kritische Untersuchung eines generellen Verbotes forderte.

Das Ergebnis: die anwesenden Stadträte sprachen sich bei vollzähliger Anwesenheit mit 10:10 Stimmen weder positiv noch negativ in Bezug auf die Anträge aus. Die CSU hatte sich bereits im Vorfeld gegen das Verbot ausgesprochen. So hieß es in der Beschlussvorlage des zuständigen Referenten und 2. Münchner Bürgermeisters Josef Schmid (CSU): Das Ponyreiten auf Dult und  Wiesn werde vom Veterinäramt regelmäßig kontrolliert. Gesundheitliche Schäden bei den Tieren seien nicht festzustellen. Alle Vorgaben würden von den Betreibern erfüllt.

Fakt ist jedoch, dass Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen bis zuletzt immer wieder schwere Mängel in Haltung und Versorgung, sowohl bei den Schaustellern auf der Auer Dult als auch auf dem Oktoberfest, festgestellt haben. So hatten die Ponys dort im Sommer 2015, teilweise ganze Nachmittage bei stechender Hitze, keinen Zugang zu Wasser. Nicht einmal die vorgeschriebenen Richtungswechsel wurden eingehalten. Dazu kommen grundlegende Probleme wie die andauernde Lärmbeschallung auf den Volksfesten und das stupide Im-Kreis-Laufen. Ponykarussels sind eine veraltete, tierquälerische Tradition, die in unserer Gesellschaft keinerlei Berechtigung mehr hat.

Doch Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sieht alle Belange des Tierschutzes gewährleistet. Reitbahnen seien mittlerweile eine der wenigen Möglichkeiten, bei denen Stadtkinder direkten Kontakt zu Tieren haben könnten. Dieses vorgeschobene Argument können wir nur stark verneinen. Kinder erhalten auf der Reitbahn ein völlig falsches Bild von Pferden. „Tiere sind keine Konsumgüter oder Gebrauchsgegenstände, sondern Lebewesen mit all ihren Bedürfnissen“, so Judith Brettmeister, Pressesprecherin des Münchner Tierschutzvereins.

Die Stadt Dachau hat bereits letztes Jahr ein Verbot erwirkt. Schade nur, dass ausgerechnet unser München, die „Weltstadt mit Herz“, für diesen Fortschritt am längsten braucht.

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass dieses Leid bald für alle Ponys ein Ende hat!

Wie sehr die Ponys unter den Umständen des Ponykarussels leiden, wissen wir aus eigener Erfahrung. So hat der Tierschutzverein München bereits im August 2014 vier Ponys, die in einer besonders schlechten Verfassung waren, vom Schaustellerbetrieb auf der Auer Dult freigekauft, auf unserem Gnadenhof in Kirchasch aufgepäppelt und in ein liebevolles Zuhause vermittelt. Die Beiden genießen nun ihren ruhigen und friedlichen Lebensabend ohne Stress und Zwang auf einem schönen Pferdehof in Baden Württemberg. 

 

 


Offener Brief an Bürgermeister Schmid zum Verbot von Ponykarussells

München, 14. März 2016

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Josef Schmid,

der Tierschutzverein München bedauert Ihre Entscheidung für eine Fortführung der Ponykarussells auf der Wiesn und der Auer Dult sehr. Hatten wir uns doch seit Jahren dafür eingesetzt, dass diese Plackerei für die Ponys endlich ein Ende hat und die Münchner Volksfeste ihr Antlitz zu Gunsten aller weiter entwickeln.

Manche Ihrer Bedenken gegenüber eines Verbotes der Ponykarussells können wir sogar verstehen. So bedeutet es für die betreffenden Schausteller in der Tat eine große Veränderung. Sie müssten sich wohl oder übel um eine alternative Einnahmequelle umsehen. Da kann man bei der Vielzahl an Möglichkeiten, die die Unterhaltungs- und Schaustellerbranche bietet, schon durcheinander kommen.

Auch uns beschäftigt natürlich die Frage, was denn dann aus den Ponys werden soll. Wir möchten selbstverständlich am allerwenigsten, dass die Tiere womöglich zum Schlachter kommen! Gottseidank ist dies auch gar nicht nötig und steht einem Verbot der Ponykarussells in keinster Weise im Wege. Im Sommer 2014 haben wir bereits vier Ponys von der Auer Dult freigekauft und erfolgreich in eine neue, artgerechte Umgebung vermittelt.

Der Tierschutzverein München sichert Ihnen zu, sich um den Verbleib der Tiere zu kümmern. Gemeinsam mit befreundeten Tierschutzorganisationen werden wir dafür sorgen, dass alle Pferde ihr weiteres Leben artgerecht verbringen dürfen. Im Gegenzug verlangen wir, dass der Betreiber keine neuen Tiere nachkauft und den Betrieb der gewerblichen Ponyreitanlage einstellt.

Über Ihren Einwand, die Ponyreitbahnen auf den Volksfesten seien die einzige Möglichkeit für Stadtkinder, um in Kontakt mit Tieren zu kommen, sind wir richtiggehend erschüttert. Ein Pony, das mittels Ausbindern in unnatürlich tiefer Stellung fixiertem Kopf stundenlang Nase an Schweif im Kreis läuft, ist doch kein Lehrbeispiel für Natur und Tierwelt!  Pferde haben natürliche Bedürfnisse: Sie brauchen Platz, Abwechslung, Sozialkontakt zu ihren Artgenossen, Bewegungsfreiheit und ebenso ausreichende Ruhezeiten.

Es gibt definitiv andere und bessere Möglichkeiten für Stadtkinder, um Tiere hautnah zu erleben und kennen zu lernen. Zum Beispiel bei uns im Münchner Tierheim! In unseren Kinder- und Jugendgruppen haben schon die Kleinsten ab sechs Jahren regelmäßig Kontakt zu Tieren und lernen gleichzeitig einen respektvollen Umgang mit Vier- und Zweibeinern.

Wir laden Sie und Ihre Familie ganz herzlich auf unseren Gnadenhof in Kirchasch bei Erding ein. Hier können Ihre Kleinen erleben, wie Tiere sich in artgerechter und natürlicher Umgebung fernab von Stress, Lärm und Zwang verhalten. Dieses Angebot richtet sich selbstverständlich auch an alle anderen Münchner Familien!

Letztendlich können wir nur hoffen, dass Sie, Herr Schmid und Ihre Fraktion noch einmal in sich gehen, Ihr Herz für Tiere entdecken und sich für den Fortschritt in München öffnen. Denn so viel steht fest: Für uns ist das Thema Ponykarussell-Verbot noch lange nicht vom Tisch.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Münchner Tierheim,
ihr Tierschutzverein München e.V.

Kurt Perlinger    
Erster Vorsitzender