ZU KLÖCKNERS GESETZ ZUR KÜKENTÖTUNG

Drei Wochen ist es nun her, dass die Bundesregierung den Gesetzentwurf zum Ende des Tötens männlicher Küken in der Geflügelindustrie beschlossen hat. Als Tierschutzverein begrüßen wir das Verbot grundsätzlich natürlich. Doch leider hat es einen sehr faden Beigeschmack, denn es kommt erstens viel zu spät und ist zweitens völlig unzureichend. Demnach soll das Kükentöten noch bis 2022 erlaubt bleiben. 

Bereits im Mai 2019 urteilte das Bundesverwaltungsgericht, dass die Praxis des Kükentötens gegen das Tierschutz- und sogar das Grundgesetz verstößt. Mit dem erst kürzlich beschlossenen Gesetzentwurf bewirkt Klöckner nun sogar eine Verschlechterung gegenüber dem Bundesverwaltungsgerichtsurteil. Denn eigentlich hätte diese tierquälerische Praxis maximal ein Jahr nach dem Urteil beendet werden müssen. Mit dem nun gefeierten Ausstieg aus dem Kükentöten bis 2022 verlängert Klöckner das Leid der Küken in rechtswidriger Weise.

Das sinnlose Töten von Küken und Embryos wird weitergehen. So erklärt der Gesetzesentwurf zwar ausdrücklich, dass ein Schmerzempfinden des Küken-Embryos ab dem siebten Bebrütungstag nicht auszuschließen sei und zwischen dem Töten des Hühnerembryos und dem Töten des geschlüpften Kükens kein wesentlicher Unterschied gemacht werden könne. Dennoch soll die Tötung männlicher Embryonen bis zum 14. Tag der Bebrütung sogar noch bis 2024 erlaubt sein. 

Die Ministerin tauscht so Tierleid gegen Tierleid, Tierleben werden erneut Wirtschaftsinteressen untergeordnet.

Durch einen neu hinzugefügten Passus, der eine Ausnahme für die Aufzucht von Stubenküken vorsieht, besteht zudem die Gefahr, dass das Verbot der Kükentötung ausgehebelt werden könnte. Wenn die männlichen Embryonen oder Küken als zukünftige Stubenküken deklariert würden, könnten sie unter Berufung auf die Ausnahme wie bisher getötet werden. Deshalb müsste deutlicher klargestellt werden, dass das Töten von Küken aus wirtschaftlichen Gründen generell verboten ist.

Dieses Gesetz wird aber vermutlich gar nicht erst in Kraft treten, denn den Entwurf bis zur nächsten Legislaturperiode durch Kabinett, Bundesrat und Bundestag zu bringen, ist zeitlich nahezu unmöglich. 

Welche anderen Alternativen zur Tötung männlicher Küken gibt es bereits?

In der „Bruderhahn-Initiative“ lassen einige Betriebe die männlichen Küken, die aus Legelinien stammen, leben und ziehen sie als Masthähne auf.  Die Aufzucht von Legehähnen dauert 4x so lange wie bei ihren Schwestern und sie setzen weniger Fleisch an. Verwertet werden kann nur die Brust. Da sie keine Eier legen können und auch nicht für die Mast geeignet sind, sind Hähne für Geflügelzüchter „wirtschaftlicher Ballast“. Die Mast dieser Hähne wird über die unbebrüteten Eier der Legehennen finanziert, die ein paar Cent teurer sind als konventionelle Eier. 

Ähnliches gilt für die Haltung von „Zweinutzungshühnern“. Das sind Rassen, die nicht von vornherein für die Eiernutzung oder für die Fleischerzeugung gezüchtet wurden, sondern für beides. Die Eier dieser Hühner sind kleiner als von gezüchteten Legehennen, und die Hähne wachsen langsamer als konventionelle Masthähne.

Fazit:

Die Bestimmung des Geschlechts bei Küken im Ei - noch vor Entwicklung des Schmerzempfindens - scheint nicht möglich oder wirtschaftlich zu sein.
Die "Bruderhahn-Taktik" sowie die „Doppelnutzung“ bestimmter Hybridrassen als Legehennen und als Masthähnchen bringt jedoch ein ethisches Dilemma mit sich, wenn die Eintagsküken, statt am ersten Tag ihres Lebens, etwas später im Jugendalter, wenn sie bereits mehrere Monate Mast hinter sich haben, getötet werden. 

Aus Tierschutzsicht sollte daher vielmehr die Forschung an Ei-Alternativen gefördert werden, um von Kükentöten, Hühnerzucht und Hühnermast langfristig und gesamtgesellschaftlich wegzukommen. Für den/die tierfreundliche/n VerbraucherIn gibt es bereits jetzt viele pflanzliche Alternativen. Die Nährstoffe und Grundlage für schmackhafte Gerichte finden sich auch in Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. 

Wer aber auf Eier nicht verzichten möchte, sollte diese bitte wenigstens nur aus Bio- bzw. Freilandhaltung mit der „0“ oder „1“ im Ei-Stempel beziehen, auch wenn man damit nur die etwas bessere Haltung der Legehennen wählt, nicht aber Einfluss auf die Tötung männlicher Küken nimmt – oder am besten vom eigenen, geretteten Huhn im Garten!