Wildtier des Monats September

Der Siebenschläfer

Klein, flauschig, flink und geschickt huscht dieses putzige Tierchen mit runden Mausohren und schwarzen Knopfaugen durch Laubwälder und Obstgärten in der Nähe menschlicher Siedlungen. Verwechselt wird es gerne mit einem Hörnchen, es gehört aber in Wirklichkeit zur Familie der Bilche, auch Schlafmäuse genannt.

Dabei hält es einen Rekord unter den Schlafmäusen, den sich viele Menschen nicht mal vorstellen können. Der Siebenschläfer schläft nämlich nicht nur sieben Monate, wie es sein Name behauptet, sondern meist sogar acht. Von Anfang September/Oktober bis Anfang Mai/Juni verbuddelt er sich bis zu 100 cm tief in ein gut isoliertes Erdloch. Bis zu 50% seines Körpergewichts kostet ihn dieser lange Schlaf. Das schlaue Tierchen hat aber mitgedacht und sich neben dem Schlafplatz eine Futterkammer angelegt, welche seine erste Frühlingsmahlzeit beinhaltet.

Danach lässt sich der Langschläfer einen Monat Zeit, ehe er beginnt nach einem Partner zu suchen. Meist leben die Schläfer allein und dulden keine Artgenossen in ihrem Zuhause. Nur die liebevollen Mütter leben oft mit ihren im August oder September geborenen Jungtieren zusammen und verbringen auch den Winterschlaf in einem Nest. Aufgrund des heißen Sommers in diesem Jahr haben die meisten Siebenschläfer in Deutschland ihre Jungen heuer schon im Juni bekommen und wegen der guten Bedingungen teilweise einen zweiten Wurf nachgeschoben. 

Es herrscht ein sogenanntes Mastjahr mit massenhaft frühreifen Früchten und Bucheckern. Optimale Bedingungen für den hervorragenden Kletterer. Mit langen, gelenkigen Zehen und klebrigen, saugnapfartigen Sohlenballen kann der Bilch problemlos sogar senkrechte Mauern überwinden. Sollte ein Räuber den buschigen Schwanz erwischen, so kann der Siebenschläfer wie Eidechsen seinen Schwanz an einer Sollbruchstelle abwerfen und entkommen. Nachwachsen kann das Schwänzchen dann aber leider nicht mehr. 

Im Sommer treiben sich die früher als Hausgeister betitelten Tierchen oft unter unseren Dächern herum. Dabei machen sie so viel Krach, dass nicht selten fälschlicherweise die Polizei wegen Einbrechern gerufen wird. Früher wurde der Siebenschläfer stark reduziert, da er als besondere Delikatesse in Adelshäusern galt und auch in Hungersnöten gefangen und verspeist wurde. Heutzutage gilt er nur noch in Bereichen Italiens und Sloweniens als Delikatesse.

Seine Bestände haben sich zum Glück erholt, aber der Rückgang natürlicher, intakter Mischwälder und verwilderter Obstgärten stellt momentan ein großes Problem für den Siebenschläfer dar. Wegen seiner Spezialisierung gilt er als hervorragender Indikator für den gesundheitlichen Zustand eines Mischwaldes.