Wildtier des Monats Oktober

Das Reh

Jetzt heißt es vorsichtig Autofahren! Wegen der früheren Dunkelheit treffen dämmerungsaktive und nachtaktive Tiere zunehmend auf den Feierabendverkehr. 2015 wurden in Deutschland 263.000 Wildunfälle gemeldet, 10 % mehr als im Vorjahr. Betroffen ist auch das Reh. Das ursprünglich mal tagaktive Tier ist aufgrund der Störungen durch Menschen weitestgehend nachtaktiv geworden und jetzt im Herbst und Winter besonders durch den Autoverkehr gefährdet. 

Entgegen der häufigen Annahme handelt es sich beim Reh nicht um einen weiblichen Hirsch. Rehe sind deutlich kleiner als Hirsche und der Rehbock trägt auch ein kleineres Geweih. Das reicht aber, um die Rehricke zu beeindrucken. Zwischen Juli und August haben Rehe Hochzeit, dabei folgt der Verehrer seiner Traumfrau oft tagelang. 

Anschließend findet bei Rehen etwas sehr Faszinierendes statt: Sie haben eine sogenannte Keimruhe. Der Embryo wächst erst im Dezember weiter, davor ruht er. Geboren wird das Kitz dann im Mai oder Juni des nächsten Jahres. Somit sind Rehe theoretisch 9,5 Monate trächtig. Der Vorteil dieses cleveren Tricks ist es, dass die Paarung sowie die Säugezeit in den nahrungsreichsten Monaten stattfinden. Beginnt der Frühling später, können die Weibchen sogar die Geburt nach hinten verschieben.

Rehmütter kümmern sich entzückend um ihren Nachwuchs. Sie sind dabei so liebevoll, dass sie in den ersten drei Wochen sogar fremde Kitze adoptieren. Einmal adoptiert, behütet die Mutter das Kitz wie ihr eigenes. Rehe sind sehr wählerisch was ihre Nahrung angeht und fressen für gewöhnlich nur Kräuter, die sie auch kennen. Probieren sie etwas Neues, so fressen sie ausschließlich diese Pflanze und warten ob sie davon Bauchweh bekommen. Kitze ahmen dabei ihre Mutter nach und bekommen auch mal einen auf den Deckel, wenn sie versuchen eine fremde Pflanze zu probieren.

Aufgrund unserer sich verändernden Landschaft gibt es inzwischen auch sogenannte Feldrehe. Sie leben nicht mehr im Dickicht und verhalten sich auch sonst anders als die ursprünglichen Waldbewohner. Bei Flucht oder in der Nacht gehen sie nicht in Deckung sondern fliehen auf große Distanz, schlafen im Freien und sie sind nicht mehr in kleinen Gruppen oder einzeln unterwegs, sondern in großen Verbänden.

Hört man nachts im Wald ein seltsames Bellen, so handelt es sich vermutlich um den Warnlaut eines erschrockenen Rehs. Dabei ist es mehr wütend als ängstlich und schimpft quasi: „Ich hab dich gesehen, hau ab!“

Rehe sind wundervolle Tiere, die unseren Schutz und Respekt brauchen: Also denkt bitte daran, besonders bei Wildwechselwarnschildern wachsam und langsam zu fahren.