WILDTIER DES MONATS OKTOBER

Die Flussmuschel und der Bitterling

Es ist vermutlich eine der faszinierendsten Symbiosen unserer heimischen Fauna: die Kooperation zwischen Fluss- und Teichmuscheln und dem Bitterling, einer heimischen Fischart. Denn um sich vermehren zu können, sind beide aufeinander angewiesen. 

Für die Anfangszeit kümmern sich die heimischen Großmuscheln selbst um ihren Nachwuchs. Die Eier werden in den Kiemenspalten des Muttertieres bebrütet.
Daraus schlüpfen sogenannte Glochidien: kleine Muschellarven, die bereits eine zweiklapprige Schale besitzen und mit Klappbewegungen schwimmen können. Ausgestattet mit Häkchen und Klebefäden haften sie sich zunächst in den Kiemen der Mutter fest und überwintern bei einigen Arten sogar geschützt zwischen ihren festen Schalen. 

Anschließend lassen sich die Larven von der Atemluft der Mutter ausstoßen und bilden schleimige Klumpen, mit denen sie an vorbeischwimmenden Fischen kleben bleiben. Haben sie einen Wirtsfisch gefunden, wandern sie in die Kiemen der Fische. Dort verankern sie sich für zwei bis drei Monate. Bevorzugt werden Bitterlinge besiedelt. Da sich die Larven dabei von dem Gewebe der Fische ernähren, wird es als parasitisches Stadium betitelt. Sie richten dabei aber bei dem Wirtsfisch keinen großen Schaden an. 

Eigentlich sind die Larven der Fluss- und Teichmuscheln also Parasiten, da sie sich auf Kosten eines Wirts ernähren, ohne dass dieser einen Nutzen davon hat. Ausgenommen davon ist aber der Bitterling.

Denn der Bitterling profitiert auf gleiche Weise von den Großmuscheln:
Bitterlingsweibchen legen ihre Eier im Gegenzug in die Kiemen großer Süßwassermuscheln, wo die Jungfische geschützt vor Fressfeinden schlüpfen und verbleiben, bis sie aktiv schwimmen können. Obwohl ein Bitterlingsweibchen bis zu 100 Eier legen kann, werden pro Muschel nur 1 bis 2 Eier gelegt. Dafür lockt das Männchen, dass seine Muschel intensiv verteidigt, mit einem kreativen Balzritual verschiedene Weibchen an, so dass in einer Muschel hundert verschiedene Entwicklungsstadien junger Bitterlinge zu finden sind. In einem Alter von zwei bis vier Wochen verlassen sie die Muschel. Übrigens sorgt nicht der Anblick eines Bitterlingsweibchens, sondern der einer Muschel dafür, dass das Bitterlingsmännchen seine Hochzeitsfärbung anlegt und anfängt zu balzen.

Gewässerverschmutzung und Unterhaltsmaßnahmen von Gewässern stellen eine große Bedrohung für unsere heimischen Muschelpopulationen dar. Durch Baggerarbeiten am Gewässergrund und Ausbauten, die die Fließgeschwindigkeit verändern, kann es sogar zum lokalen Aussterben ganzer Muschelbestände führen. Alle Großmuschelarten stehen auf der roten Liste gefährdeter Tierarten. Der Bitterling ist vielerorts inzwischen sogar vom Aussterben bedroht. Auch die Entfernung von Pflanzen, Vernichtung von Altwassern und das Einsetzen von Raubfischen machen ihm, neben dem Verlust der Muscheln, zu schaffen. 

Foto: Michael Wurm, creative commons: commons.wikimedia.org/.../File:Bitterlingsm%C3...