Wildtier des Monats November

Der Kranich

Er gilt in vielen Kulturen als Glücksvögel, zieht jetzt zu hunderttausenden über Deutschland und ist mit 130 cm der größte Vogel Deutschlands: Der eurasische Kranich.

Weltweit gibt es 15 Kranicharten, doch nur diese eine Art kommt in Europa vor. Mitte November konnten auch in  Bayern tausende von ihnen beobachtet werden. In V-förmigem Formationsflug zogen sie mit trompetenartigen Rufen meist an großen Flüsse entlang in ihre Winterquartiere. Seit 2008 gibt es diese neue Zugrute durch Bayern und ihre Beliebtheit steigt. 2015 wurden mehrere 10.000 Kraniche im weiß-blauem Himmel gesichtet. Warum es diese neue Rute gibt, ist nicht bekannt. Vermutungen zufolge könnte es am Klimawandel liegen, denn auch die Brutgebiete breiten sich aus und seit 2002 brütet der Kranich auch wieder in Bayern. 1890 galt er hier als ausgestorben.

Mindestens 13 Brutpaare leben glücklicherweise inzwischen wieder bei uns und erfreuen mit ihrem interessanten Brutverhalten. Kraniche sind monogam und beleben ihre Ehe mit spektakulären Tänzen, die besonders häufig im Frühling praktiziert werden. Zudem sind Kraniche sehr verquasselt. Am liebsten quatschen sie mit ihrem Partner oder ihrem Nachwuchs. 

Sie sind auch besonders entzückende Eltern: Kündigt das Küken im geschlossenen Ei durch Rufen seinen Schlupf an, werden die Eltern sehr nervös und helfen ihrem Küken ungewöhnlicherweise dabei, die Eierschale zu zerbrechen. Der zimtbraune Nachwuchs wird von beiden Eltern spazieren geführt und fürsorglich mit Nahrung versorgt. Zum Schlafen kehrt die Familie in ihr Nest zurück. Besonders gewieft: Nähert sich ein gefährlicher Feind, simuliert ein Elterntier einen Flügelbruch und schleppt sich dramatisch hinkend davon, um die Aufmerksamkeit des Räubers auf sich zu lenken. In der Zwischenzeit flieht und versteckt der andere Elternteil die Küken.

Schon seit Jahrtausenden fasziniert dieser Vogel die Menschen. In den asiatischen Ländern findet man ihn häufig auf Gemälden, er taucht in zahlreichen Gedichten und Fabeln auf und ist in den Hieroglyphen Sinnbild für den Buchstaben „B“. Weiter gilt er als Vorbote für den Frühling, steht für Weisheit, ein langes Leben und Glück. Übrigens besagt eine Legende, dass einem ein Wunsch erfüllt wird, wenn man 1000 Origami-Kraniche faltet.

Bedroht wird der Kranich durch den Verlust vieler Feuchtgebiete, die intensive Landwirtschaft und den großen Flächenverbau durch immer weitere Siedlungen. Wer Kraniche beobachten möchte, der sollte nächstes Jahr Mitte November zu den Rastplätzen in Nord- und Ostdeutschland reisen.

Fotos: Dennis Burchardt.