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Wildtier des Monats Mai

Der Bartgeier
Mit 2,9 Metern Flügelspannweite war er einst der größte Vogel Deutschlands und zählt zu den größten Vögeln weltweit. Der Bartgeier ist kaum noch jemandem ein Begriff und es überrascht viele zu hören, dass er in den Alpen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weit verbreitet war. Nicht weniger als 100 Jahren brauchte die Menschheit, um dieses beeindruckende Tier in der gesamten Alpenregion restlos auszurotten.

Neben der fast völligen Auslöschung und Vergiftung seiner Beutetiere wie Gams, Steinbock und Rothirsch, kostete ihm auch der Name „Lämmergeier“ das Leben. Irrtümlich glaubte man, dass er Lämmer, ja sogar Kinder stehle. Aus Angst vor dem gigantischen Vogel startete eine mit Prämien ausgeschriebene Hetzjagd. Diese erstreckte sich von Deutschland über die Schweiz, Österreich bis nach Italien bis der letzte Bartgeier tot war. 

Zurecht überschlugen sich nun im Mai die Medien mit der Nachricht, dass der LBV im Juni die ersten zwei Bartgeier in Deutschland auswildern möchte. Sie stammen aus einem europäischen Erhaltungszuchtprojekt in Spanien und sollen in den Berchtesgadener Alpen angesiedelt werden. 

Bartgeier brüten im Dezember und Januar, mitten im härtesten Winter, in den Alpen. Dazu bauen sie gewaltige Nester in Felsnischen. Alte Nester können eine Breite von 3 Metern und eine Höhe von 2 Metern aufweisen. Eingebaut werden neben Ästen, Knochen, Federn und Tierhaaren auch Papier oder Lappen. In einem Nest wurde als Auspolsterung sogar mal ein Gebetsteppich gefunden. 

Warum ein Vogel zur kältesten und scheinbar ungünstigsten Zeit brütet, ist schnell geklärt. Damit fällt die Schlupfzeit der Jungtiere mit der Schneeschmelze zusammen und in die nahrungsreichste Zeit für die Bartgeier. Denn unter dem Schnee kommen zahlreiche im Winter verstorbene Tiere zum Vorschein. Während die Jungtiere noch auf Muskelfleisch angewiesen sind, ernähren sich Erwachsene zu 80% von Knochen. Der Bartgeier ist also mitnichten ein „Lämmergeier“, sondern ein nahezu reiner Aasvogel. 

Mit dem Knochenverzehr hat der Bartgeier sich eine wichtige Nahrungsnische erobert. Denn Knochen sind unerwartet nährstoffreich und enthalten im Durchschnitt 12% Eiweiße, 16% Fette und 23% Mineralstoffe. Wegen dem geringen Wasseranteil sind Bartgeier auf eine Wasserquelle im Revier angewiesen.

Um die teilweise großen Knochen fressen zu können, müssen diese zerlegt werden. Zwar können Bartgeier bis zu 18 cm große Stücke schlucken, aber auf diese Größe muss der Knochen erst gebrochen werden. Dafür lassen die „Knochenbrecher“ die Knochen aus luftiger Höhe auf harte Felsen fallen. Bis zu 40x wiederholt er, wenn nötig, den Vorgang bis der Knochen zerbricht. Um die Knochen zu zersetzen haben Bartgeier die stärkste Magensäure im Tierreich. Mit einem pH-Wert von 0,7 ist sie ähnlich wie Batteriesäure.

Übrigens ist das Gefieder der Bartgeier am Hals- und Brustbereich eigentlich nicht rostrot, sondern weiß. Sie schminken sich das Gefieder selbst durch eisenoxidhaltigen Schlamm. Warum weiß man noch nicht. Um zu demonstrieren wie harmlos Bartgeier sind, halten Zoos diese häufig zusammen mit Kaninchen, Schneehasen oder Murmeltieren im Gehege.

Neben noch immer illegalem Abschuss in den Alpen Europas ist die Rückkehr des Bartgeiers durch mit bleihaltiger Munition geschossenem Wild gefährdet. Frisst der Bartgeier davon, vergiftet er sich selbst, dies gilt übrigens auch für andere Greifvögel. Es wird also dringend an die bayrischen Jäger appelliert, nur bleifreie Munition zu verwenden. Wer den Bartgeiern helfen möchte, kann neben Unterstützung der Projekte auch Sichtungen mit exakter Uhrzeit und Ort an den LBV melden.