Wildtier des Monats Juni

Juni 2021: Die Weinbergschnecke

Sie sind die größten Gehäuseschnecken Deutschlands und zum Glück heutzutage wieder in zahlreichen Naturgärten zu finden: Weinbergschnecken! 

Aufgrund des sauren Regens, Umweltgiften, Schneckenkorn aber vor allem auch wegen kommerzieller Sammler war die Weinbergschnecke stark dezimiert worden. Sie gilt in vielen Ländern als Delikatesse und wird auch heute noch gerne gegessen. Inzwischen steht die Weinbergschnecke in Deutschland, Schweiz und Österreich unter Naturschutz und darf nicht mehr gesammelt, getötet oder gestört werden. Weinbergschnecken zum Verzehr stammen meist nur noch aus Zuchtfarmen. 

Zum Handel macht sich der Mensch eine Überlebensstrategie der Schnecke zu Nutzen. Im Winter, aber auch wenn es zu trocken wird, verschließt das auf Feuchtigkeit angewiesene Tier seinen Häusereingang mit einem Kalkdeckel. So können sie Monate ausharren, aber leider auch in Säcken verpackt gelagert werden.

Dabei ist die Weinbergschnecke ein wahrer Nützling in unseren Gärten. Nur sehr selten geht sie an frisches Gemüse, lieber verzehrt sie welke Pflanzenteile oder Algen. Sie benötigt zudem Kalk, um damit ihr Haus zu bilden. Wie andere Schnecken hat auch die Weinbergschnecke nicht wie wir Zähne zum Kauen. Ihre bis zu 40.000 Zähnchen sitzen auf ihrer sogenannten Raspelzunge und das Essen wird abgeschabt.

Weinbergschnecken sind hervorragende Kletterer und können dank ihres Schleimfilms und haftenden Fußes auch senkrechte Glaswende hochkriechen. Der Schleim schützt sie auch vor Verletzungen durch spitze Hindernisse und lässt sie schneller kriechen. Wasserspeichernd bewahrt er sie vor Austrocknung, aber auch vor Angriffen, indem er schaumig aufgeblasen werden kann und die Schnecken für kleine Fressfeine unerreichbar machen. Das sieht dann so aus, als schäume die Schnecke vor Wut.

Weinbergschnecken können nicht hören. Auch können sie mit ihren Augen am Ende der oberen Fühler nur unscharf und schwarz-weiß sehen, ihre unteren, kürzeren Fühler sind zum Tasten und Riechen. Dafür ist die Weinbergschnecke ein sehr empfindsames Kriechtier. Sie kann kleinste Erschütterungen im Boden wahrnehmen. 

Ebenso ist sie auch bei der Partnerwahl sehr sensibel. Bis zu einem Tag kann es dauern, bis zwei Weinbergschnecken sich so aufeinander eingestellt haben, dass sie bereit sind, sich miteinander zu paaren. Während des Kennenlernens schmiegen sie kuschelnd ihre Leiber und den Fuß aneinander und beschießen sich mit stimulierenden „Liebespfeilen“. Obwohl sie Zwitter sind, findet nicht immer eine gegenseitige Befruchtung statt. Manchmal will eine Schnecke auch lieber das Männchen, die andere das Weibchen spielen. 

Wie Meeresschildkröten graben die „Weibchen“ später eine Mulde in den Boden um darin 40-60 weißliche Eier zu legen und sorgfältig wieder zu vergraben. Meist schlüpfen im Juni die ersten winzigen Schneckchen inklusive kleinem Häuschen. Erst nach 2-3 Jahren ist eine Weinbergschnecke erwachsen und kann bis zu 30 Jahre alt werden. Sie ist sehr ortstreu und verbringt meist ihr ganzes Leben im gleichen Garten. Auch ihre Kältestarre im Winter findet immer im gleichen Versteck statt.

Normalerweise ist das Haus einer Weinbergschnecke im Uhrzeigersinn gedreht. Nur eines von 20.000 Exemplaren hat ein linksgängiges Haus, wegen der Seltenheit werden diese als „Schneckenkönig“ betitelt.

Weinbergschnecken sind dazu in der Lage, mittelschwere Beschädigungen an ihrem Haus zu reparieren. Wer eine solche Schnecke gefunden hat, kann sie zur Sicherheit mit nach Hause nehmen, in eine feuchte Umgebung setzen und mit Nahrung sowie Kalk aus z.B. Eierschalen versorgen. Ist die Schnecke gesund, sollte sie wieder rausgesetzt werden. Auch für die Weinbergschnecken gilt es, den Garten nicht zu sehr aufzuräumen und kein Schneckenkorn zu verwenden.