Wildtier des Monats Juni

Die Schleiereule

Helles Gefieder, ein herzförmiges Gesicht, lange Beine und dunkle Augen zeichnen diese wunderschöne Eule aus. Die Schleiereule, auch Herzeule genannt, ist von allen Eulen am weitesten auf unserem Planeten verbreitet und gilt als echter Kulturfolger.

Früher war sie bei den Bauern sehr beliebt und ihr wurden extra sogenannte Uhlenlöcher, Einfluglöcher in die Dachböden eingebaut, oft in niedlicher Herzform. Dort, in Kirchtürmen und Scheunen, sind ihre bevorzugten Brutplätze. Damit zieht sie die menschliche Nähe dem ursprünglichen Leben als Felsenbrüter vor. Sie braucht dazu viel Platz, denn ihre flauschigen Kleinen müssen früh ihre Mäuselsprünge üben.

Mäuse zählen nämlich zu ihren Lieblingsspeisen. Schleiereulen sind mit ihren 200- 300 Gramm nicht nur wesentlich leichter als die gleichgroßen Katzen, sie fangen auch bei weitem mehr Mäuse. Wieviel Eulchen ein Paar im Jahr bekommt, hängt auch wesentlich von der umliegenden Mäusepopulation ab.

Schleiereulen sind wie alle Eulen kleine Wunderwerke der Natur. Ihr schüsselförmiger Gesichtsschleier fängt jedes noch so kleine Geräusch ab und leitet es an die Ohren weiter. Diese sind schief angelegt und ermöglichen eine deutlichere Raumwahrnehmung. Ein Ohr befindet sich tiefer und lauscht was am Boden passiert, das andere überprüft Geräusche von oben.

Ihre Augen sind ungewöhnlich groß und mit dem Schädelknochen verwachsen. Sie können somit nicht wie wir mit den Augen hin und her sehen. Eine enorme Beweglichkeit des Kopfes gleicht dies wieder aus und ist der Grund dafür, warum Eulen soviel mit den Köpfen wackeln und diese um bis zu sagenhafte 270° drehen können.

Ihre Federn sind flauschig weich, die Außenkanten der Flügel sind gezahnt und haben eine samtartige Oberfläche. Dies ermöglicht es Eulen nahezu lautlos durch die Luft zu gleiten.

Schleiereulen sind übrigens sehr friedliche Tiere. Sie dulden im Winter nicht nur Artgenossen in ihrem Unterschlupf, sie vermeiden auch jeglichen Feindkontakt. Lieber laufen sie rechtzeitig in ein Versteck oder drücken sich an einen Gegenstand in der Hoffnung nicht gesehen zu werden.

Leider gibt es immer weniger dieser wunderschönen Tiere. Nicht nur ihr Hauptbeutetier, die Maus, wird wegen der intensiven Landwirtschaft und dem Einsatz von Giftstoffen immer seltener, auch ihre Brutplätze werden durch moderne Bauten und Umbauten zunehmend zerstört. Heckenstreifen, Streuobstwiesen, ökologische Landwirtschaft und der Verzicht auf Giftstoffe würden, wie so vielen Tieren, auch den Schleiereulen zugutekommen.