Wildtier des Monats Juli

Die Blindschleiche

Ein weiteres Tier, welches so viele Irrtümer ausgelöst hat wie die Blindschleiche, gibt es in Deutschland wohl kaum. Nicht nur ihr Name führt in die Irre, auch ihr Aussehen täuscht. Von vielen wird sie für eine Schlange oder sogar Giftschlange gehalten und getötet. Dabei handelt es sich bei der Blindschleiche gar nicht um eine Schlange, sondern um eine harmlose Eidechse. Sie hat lediglich keine Beine.

Jedoch haben sich selbst die Wissenschaftler im 18. Jahrhundert schon geirrt, als sie ihr den lateinischen Namen Anguis fragilis gaben, was übersetzt „Schlange zerbrechlich“ heißt. Das „zerbrechlich“ kommt von den sogenannten Sollbruchstellen im Schwanz der Blindschleiche. Fasst man sie so an, dass sie Angst bekommt, wirft sie wie auch Eidechsen einen Teil ihres Schwanzes ab, der dann zuckend liegen bleibt und den Beutegreifer ablenken soll, während sie flieht. Sie zerbricht sozusagen. 

Doch wenn es nicht die Beine sind, worin liegt dann der Unterschied zwischen Schlange und Echse

Dazu muss man schon genauer hinsehen. Zum Züngeln muss die Echse ihr Maul ein Stückchen öffnen, denn im Gegensatz zu Schlangen besitzt sie keine Lücke in der Oberlippe. Die Augenlider sind beweglich und verschließbar und das Schlängeln wirkt deutlich steifer. Auch am Knochenbau sind noch rudimentäre Becken- und Schulterknochen bei der Blindschleiche erkennbar.

Übrigens ist die Blindschleiche nicht blind. Auch dieser Name führt in die Irre, denn er wurde falsch vom althochdeutschen Namen „Plintslicho“ abgeleitet, was nicht blinder Schleicher, sondern blendender Schleicher bedeutet und von den wunderschönen, in der Sonne glitzernden Kupfer- und Bronzetönen kommt.

Wer eine Blindschleiche bei sich im Garten hat, der braucht sich nicht zu erschrecken, sondern kann sich glücklich schätzen, denn zu ihrer Leibspeise zählen Schnecken. Bitte verzichten Sie dann unbedingt auf Schneckengift oder andere Pestizide, denn diese würden sie direkt töten. 

Um diese besonderen Tiere bei sich anzusiedeln, benötigt es Holzstapel oder natürliche Hecken, große flache Steine, Komposthaufen und einen reich strukturierten Naturgarten. Gerade bei so heißen Temperaturen wie derzeit vorherrschen, darf auch eine Trinkstelle in Form eines Teiches oder kleinen Wassernapfs nicht fehlen. Solche Wasserstellen kommen auch allen anderen Wildtieren zu Gute.