GerardM - http://www.digischool.nl/bi/onderwaterbiologie/

Weideblattlarve: Uwe Kils - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:LeptocephalusConger.jpg

Salvor Gissurardottir und Carl Steinbeisser - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eel-life-circle1.svg

Wildtier des Monats: Der europäische Aal

Die meisten kennen ihn nur als Speisefisch und wissen kaum etwas über seine komplexe Lebensweise und wie stark der Mensch diese Art an den Rand des Aussterbens gefischt hat. 

Alle europäischen Aale werden im Atlantik in der Sargossosee geboren, einem Meergebiet größer als Mitteleuropa. Als sogenannte Weideblattlarve (früher dachte man, dies sei eine eigene Fischart) wandern sie mit Hilfe des Nordatlantikstroms an die europäischen Küsten. Drei Jahre brauchen sie im Schnitt dafür. Sind sie etwa 100 km vor den Küsten angelangt, verändern sie ihre Körperform komplett und werden zu 7 cm kleinen, durchsichtigen Miniaalen. Diese Glasaale sammeln sich oft zu großen Schwärmen vor den Küsten. Dort werden sie vom Menschen in enormen Mengen abgefischt und entweder direkt zum Verzehr verkauft oder in Aquakulturen gemästet. Untersuchungen aus dem Jahre 2000 haben gezeigt, dass allein in Frankreich 97% bis 99,7% der angekommenen Aale abgefischt wurden. In vielen Ländern gelten sie als Weihnachtsgericht oder Delikatesse. Um den Bestand vor der Überfischung zu bewahren, werden mittlerweile viele Glasaale bereits vorher abgefischt, um sie direkt in Flüsse und Seen zu bringen. Den Transport überlebt aber nur etwas weniger als die Hälfte. 

Normalerweise würden diese Jungaale die Flüsse hinaufziehen. Sie können dank Hautatmung sogar weite Strecken über Land kriechen, um auch in Seen zu gelangen. Im Süßwasser durchleben sie erneut eine Metamorphose und färben sich gelblich. Diese sogenannten Steig- bzw. Gelbaale wachsen zu voller Größe bis zu 150 cm und 6 kg Gewicht heran. Dort, in ihrem erwählten Süßgewässer verbringen sie ihr Leben bis zur Geschlechtsreife, die teilweise erst nach 15 Jahren eintritt. Ihre Lebenserwartung könnte bei 50 – 80 Jahren liegen.

Dann durchlaufen sie erneut eine Verwandlung. Binnen 4 Wochen nehmen sie wieder eine für das Meer besser geeignete silberne Färbung an, zusätzlich bilden sich die Verdauungsorgane komplett zurück und die Geschlechtsorgane nehmen die gesamte Leibeshöhe ein. Ebenso stellen sich die Kiemen von Süß- auf Salzwasser um. Im September oder Oktober brechen sie zurück in ihre Laichgewässer in die Sargossosee auf. Aale gehören zu den sogenannten Fettfischen, ihre Körpermasse kann bis zu 30 % Fett beinhalten. Dieses benötigen sie auch, denn während ihrer teilweise über 5000 Kilometer weiten und bis 1,5 Jahre dauernden Reise nehmen sie keine Nahrung mehr zu sich. Der Laichakt selbst konnte noch nie beobachtet werden, findet aber vermutlich in 2000 m Tiefe statt. Nach der Paarung und dem Laichen sterben die Aale. 

Der Aal-Bestand ist in den untersuchten Gebieten seit 1980 um 90% - 99% zurückgegangen. In der weltweiten „roten Liste“ werden sie deshalb als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Neben der massiven Überfischung der Glasaale und erwachsenen Tiere, sind auch menschengemachte Giftstoffe in den Gewässern sowie Wasserkraftwerke Ursache für die drohende Ausrottung der europäischen Flussaale. Im Laufe ihres langen Lebens nehmen die Aale Giftstoffe aus den Gewässern auf und reichern sie in ihrem Fett an. Bauen sie dieses dann auf ihrer Rückreise ab, werden die gesammelten Giftstoffe frei und töten die Tiere oder lassen sie unfruchtbar werden. Zudem versperren Wasserkraftwerke ihre Wanderwege in beiden Richtungen und zu tausenden werden sie in den Turbinen zerhäckselt. Tierschonende Alternativen gibt es, doch die sind den meisten Betreibern zu teuer.

Da Aale nur einmal in ihrem langen Leben laichen, zählt jedes einzelne Tier, um die Art noch zu retten. Deshalb bitten wir dringend darum, auf den Verzehr von Aal komplett zu verzichten. Weiter kann man sich als Verbraucher dafür einsetzen, Strom nur aus fischfreundlichen Wasserkraftwerken zu beziehen.