Wildtier des Monats: Der Braunbär

Er wurde wieder in Bayern gesichtet. Braun, pelzig, groß und beeindruckend ist er aus Fabeln als „Meister Petz“ bekannt. Ende Oktober tappte bei Garmisch-Partenkirchen ein Braunbär in eine Fotofalle. Das junge Männchen stammt vermutlich aus einer italienischen Population. Seit 13 Jahren ist er, nach dem tragischen Fall mit Braunbär Bruno, der am Ende als „Problembär“ erschossen wurde, der erste Bär, der wieder in Bayern aufgetaucht ist. 171 Jahre bevor Bruno kam, galt der Braunbär in Deutschland als ausgestorben, getötet durch die Jagd. Als „Problembär“ wird der neue Bär noch nicht eingestuft, sondern sogar als „Vorbildbär“ bezeichnet. Denn im Gegensatz zu Bruno ist er sehr scheu, nur in der Nacht unterwegs und hält sich von Menschensiedlungen fern.

Jetzt im November gehen viele Bären in ihre Winterruhe. Je weiter nördlich sie leben, desto früher ziehen sie sich zurück. Um einen echten Winterschlaf handelt es sich nicht, denn die Körpertemperatur sinkt nur um 5°C und sie sind leicht zu wecken. Männchen verlieren während der Winterruhe etwa 22% ihres Körpergewichts, Weibchen sogar bis zu 40%. Dies liegt daran, dass mit der Winterruhe auch die Trächtigkeit beginnt. Zwar paaren sich Braunbären bereits von Mai bis Juni, aber die befruchtete Eizelle nistet sich nicht ein. Der eigentliche Beginn der Tragzeit, sowie die Geburt, finden erst während der Winterruhe statt. Bären haben unter den Säugetieren den größten Gewichtsunterschied zwischen Neugeborenen und Muttertier. Damit die Winzlinge besonders schnell wachsen, hat die Muttermilch einen sehr hohen Protein- und Fettgehalt.

Bärinnen mit Jungen gelten als besonders gefährlich und aggressiv. Wenn es sein muss, tötet die Bärin auch ein ausgewachsenes Männchen, um ihre Jungen zu verteidigen. Eigentlich sind Bären Einzelgänger. Die liebevollen Mütter säugen ihren Nachwuchs allerdings bis zu 2,5 Jahre und bleiben bis zu vier Jahre mit ihnen zusammen. Anschließend hängen die Geschwister weitere zwei bis vier Jahre miteinander herum. Sie suchen gemeinsam nach Nahrung und spielen miteinander. 

Obwohl Braunbären bereits mit 4 Jahren geschlechtsreif werden, wachsen sie bis zu ihrem 11. Lebensjahr. Ausgenommen zur Paarungszeit und während er Jungenaufzucht sind Braunbären nicht sehr territorial und verteidigen ihr Revier nicht vor Artgenossen. Kommt an einem Ort saisonal besonders viel Nahrung vor, Bären sind Allesfresser mit bevorzugt pflanzlicher Kost, können sich zahlreiche Bären friedlich sammeln und Wanderungen von hunderten Kilometern dorthin zurücklegen. 

Damit sich dieses wunderschöne Tier wieder in Bayern ansiedeln kann, müssen wir Menschen lernen, mit ihm zu leben. Für ein gefahrloses Zusammenleben gibt es in Bärengebieten wie Kanada einige Verhaltensregeln, die leicht zu befolgen sind: Bärensichere Mülleimer und Fütterungsverbote sorgen dafür, dass die Tiere menschliche Siedlungen als nicht attraktiv empfinden und ihre Scheu nicht verlieren. Lautes Reden oder Glöckchen an den Füßen hilft Wanderern, von den Bären früh genug gehört zu werden und sie somit nicht zu erschrecken. Herden werden in Bärengebieten durch Herdenschutzhunde bewacht. Von Müttern mit Jungtieren oder Bären an erlegter Beute hält man sich besser fern.

„Der Bär ist in Bayern willkommen“ hieß es damals bei Bruno, wenige Wochen danach wurde er erschossen. Hoffen wir, dass der Braunbär dieses Mal wirklich willkommen ist.