Wildtier des Monats

Mai 2019: Der Krebs

Immer wieder gehen beim Tierschutzverein Anrufe ein, dass in einem Gewässer in München ein großer Krebs ausgesetzt wurde. Umso größer der Krebs jedoch ist, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um den heimischen Edelkrebs handelt. Einst war dieser Krebs in nahezu jedem Gewässer anzutreffen, doch ins Wasser geschwemmte Schadstoffe wie Pestizide (z.B. Glyphosat) und naturferne Gewässerumbauten haben ihn so selten gemacht, dass viele Menschen ihn noch nie gesehen haben.

Der Edelkrebs oder auch Flusskrebs ist die Größte der in Europa heimischen Krebsarten und kann bis zu 20 Jahre alt und 20 cm groß werden. Jetzt im Mai schlüpfen die Jungkrebse, die noch ein paar Tage bei der fürsorglichen Mutter bleiben. Gut behütend hat diese ihre Eier den ganzen Winter unter ihrem Hinterleib getragen. Damit nichts passiert, klappt sie diesen um die Eier und fächert ihnen mit den kleinen Hinterbeinen Frischwasser zu.

Das Männchen kümmert sich weder um die Eier, noch ist es romantisch. Will ein Männchen sich im Herbst mit einem Weibchen paaren, packt er es mit den Scheren und dreht es auf die Seite oder den Rücken. Meist zeigen sich die Weibchen zur Paarungszeit kooperativ und lassen sich dann auch mal von einem Schwächling umdrehen.

Unsere zweite heimische Großkrebsart, der Steinkrebs oder auch Bachkrebs, reagiert noch empfindlicher auf Verschmutzung seiner Gewässer. Krebse gehören zu den ältesten Lebewesen auf unserem Planeten und vermutlich ist der Steinkrebs die stammesgeschichtlich älteste Krebsart in Mitteleuropa. Beide Arten gelten als Gesundheitspolizei der Gewässer, da sie abgestorbene Pflanzenreste, aber auch Aas verspeisen.Zusätzlich zur Verschmutzung der Gewässer hat die Krebspest den Bestand unserer Großkrebse stark dezimiert. Kam der Edelkrebs 1860 noch in jedem Wassergraben flächendeckend vor, so wurde er in den letzten 120 Jahren fast ausgerottet. Die Krebspest wurde durch aus Aquarienhaltung stammenden, amerikanischen Krebsen, die selbst dagegen weitestgehend immun sind, eingeschleppt. Aquarientiere auszusetzen ist übrigens eine Straftat, die mit mehreren tausend Euro geahndet wird. Die Krebspest verläuft äußerst grausam: Nach starkem Juckreiz fallen den Krebsen nach und nach die Gliedmaße ab, wodurch sie irgendwann nicht mehr fressen oder laufen können und sterben.

Aufgrund dieses verantwortungslosen Verhaltens gibt es in München zum Beispiel im Feringasee keinen heimischen Krebs mehr, dort lebt nur noch der amerikanische Signalkrebs.

Wer den heimischen Scherentieren helfen möchte, der sollte sich gegen die intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden entscheiden. Ebenso dürfen auf keinen Fall gebietsfremde Arten ausgesetzt werden. Das gilt übrigens auch für zahlreiche Pflanzenarten.

Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Astacus_astacus_male.jpg?fbclid=IwAR18J0ZJ0byx6ZlgcTAQPDnN3K8CFwH5ti3lhi69wRInL4B_dapdfQ7s614