Wildtier des Monats

Februar 2019: Der Pseudoskorpion

Skorpione in Deutschland? Gibt es das? Indirekt ja, sogar ganze 49 verschiedene Arten. Sie existieren seit mindestens 380 Millionen Jahren. Pseudoskorpione heißen die possierlichen Tierchen, die aussehen wie ein Skorpion, allerdings ohne den Giftstachel tragenden Schwanz. Um sie zu entdecken, muss man allerdings schon sehr genau hinsehen. Zwar leben einige Arten in unserer unmittelbaren Umgebung, allerdings werden Pseudoskorpione nur zwei bis sieben Millimeter groß.

Sie haben zwar keinen Stachel, ganz unbewaffnet sind die Winzlinge aber nicht. Als hervorragende Jäger schleichen sie sich heimlich und leise an ihre Beute heran und packen sie mit den Scheren. In diesen befindet sich Gift, welches in die Beute übertragen wird. Die kleinen Jäger müssen dann nur noch abwarten, bis die Beute von alleine stirbt. Dann kann in Ruhe ein Verdauungssaft gespritzt und die vorbereitete Nahrung über eine Art Strohhalm eingesogen werden. Lecker!

Zu ihren Beutetieren gehören Staub- und Bücherläuse sowie Hausstaubmilben, Bettwanzen und viele weitere Tierchen. Sie zählen aus Menschensicht somit zu den Nützlingen und leben nicht nur in unseren Gärten, sondern teilweise auch in Wohnungen und alten Büchereien. Das Gift ist für uns harmlos. Zudem kommen die winzigen Scheren ohnehin nicht durch die menschliche Haut. 

Abenteuerlustige Exemplare bedienen sich eines Fliegen- oder Käfertaxis. Dafür halten sich viele Arten unbemerkt an einem Fliegen- oder Käferbein fest und lassen sich so weite Strecken komfortabel und kostenlos transportieren. In den Tropen benutzen einige Arten spezielle Käfer sogar als Wohnmobil, in welchem sie nicht nur reisen, sondern unter den Flügeldecken auch leben und sich vermehren. 

So richtig romantisch sind die kleinen Jäger allerdings nicht. Es gibt zwar ein paar Arten, bei denen die Männchen für ihre Angebetete tanzen und besondere Düfte versprühen. Gelingt der Tanz und die Schöne ist interessiert, legt der Herr ein gut verpacktes Samenpaket auf den Boden, packt sie mit den Scheren und zieht sie zärtlich darüber. Bei den meisten Arten allerdings lassen die Männchen beim Herumlaufen einfach ab und an mal so ein Samenpaket fallen. Irgendein verzweifeltes Weibchen wird schon zufällig vorbeikommen und es mitnehmen. 

Die Weibchen dagegen kümmern sich um ihren Nachwuchs sehr fürsorglich. Wie Spinnen tragen sie Spinndrüsen an ihrem Kiefer und basteln sich daraus kleine Iglus zum Überwintern, Schlafen oder, um darin ihre Jungen aufzuziehen. Zuvor tragen die Weibchen die Eier in einem selbstgemachten Brutbeutel unter ihrem Hinterleib und füttern die Embryonen mit Sekret. Selbst zum Häuten spinnt sich der Pseudoskorpion eine sogenannte Häutungskammer

Wer einen Pseudoskorpion sehen möchte, der sollte den eigenen Garten mit einer Lupe erkunden. Gesucht werden sollte in Laubhaufen, Moospolstern, loser Rinde oder in unseren Komposthäufen. Der sogenannte Bücherskorpion hält sich auch gern in Haushalten auf. Chemische Spritzmittel töten auch Pseudoskorpione. Deshalb sollte dringend darauf verzichtet werden.