Siska – oder das Hundeleben der SPD Stadträtin Bettina Messinger

Ich kann es gar nicht glauben, dass Siska unser Leben jetzt schon seit über 12 Jahren bereichert. Im Februar 2006 war es Liebe auf den zweiten Blick. Bei den vielen Hunden im Tierheim, kann man schnell den Überblick verlieren und sogar eine wahre Traumhündin zunächst übersehen. So war es bei uns. Erst als ein eine ganze Gruppe Gassigeher das Rondell betrat und das große Bellen losging, bemerkten wir Sissy, wie sie damals hieß. Sie blieb als einzige völlig entspannt, beruhigte einen Jack Russel im gleichen Zwinger und schaute uns dabei mit ihren braunen Rehaugen ganz treuherzig an. Schon war es um uns geschehen. Nach einem Probespaziergang waren wir uns mit der Mitarbeiterin des Tierheims einig, dass Siska ein Traumhund und auch für Anfänger wie uns geeignet ist. Als wir erfuhren, dass sie schon einmal vermittelt war, und erst am Vortag wieder abgegeben wurde, haben wir auf ein Überschlafen der Entscheidung verzichtet: Wir haben sofort die Formalien erledigt und waren plötzlich Hundebesitzer.

Die Entscheidung für einen Hund fiel natürlich viel früher und hat lange gedauert. Alles Für und Wider wurde ausdiskutiert. Wir haben uns genau überlegt, wie das mit Urlaub und Arbeit funktionieren kann, wer sich kümmern kann, wenn Herrchen oder Frauchen andere Termine zwingend wahrnehmen müssen. Wir haben die völlig unterschiedlichen Vorstellungen von Größe und Rasse mühselig geklärt. Eines war aber von Anfang an klar: Bevor wir bei einem Züchter einen Hund kaufen, geben wir den Vierbeinern im Tierheim eine Chance.

Nun hatten wir also unseren Hund an der Leine und waren auf dem Weg zum geparkten Auto. Mist! Verträgt sie überhaupt Autofahren? Und natürlich besaßen wir da noch keinerlei Ausstattung, Futter, usw. Also erstmal zum nächsten Händler und eingekauft, was das Zeug hält – Nützliches und völlig Sinnloses, wie wir bald merkten. Zuhause angekommen, machten wir uns Gedanken, wie wir die Kleine nun nennen sollten, denn Sissy passte beim besten Willen weder zu ihr noch zu uns. Wir einigten uns auf die Abkürzung von Franziska und damit war unsere Siska Bestandteil der Familie. Sie hat übrigens sehr schnell auf den neuen Namen reagiert und sie verträgt Autofahren völlig problemlos.

Siska ist der ideale Begleithund, wir haben unsere Entscheidung für sie noch keine Sekunde bereut. Sie ist zu jedem freundlich und vollständig davon überzeugt, dass alle Menschen sie lieben (und im Grunde genommen nur große Leckerlieautomaten sind). Gerne fährt sie mit der U-Bahn und wenn es dort enger ist, dann wird halt ein Schuh von einem Fahrgast als Kissen genutzt.

Natürlich hat nicht alles von Anfang an geklappt. Wir wissen bis heute nicht, wo sie die ersten fünf Monate ihres Lebens verbracht und warum sie nur einen kleinen Stummelschwanz hat, aber das stört Siska nicht und zum Wedeln reicht ihr Propeller locker. Sie interessierte sich absolut nicht für ihre Umgebung, sondern nur für alles, was irgendwie fressbar sein konnte. Das war so schlimm, dass sie sogar versucht hatte, einen alten Kaugummi vom Bürgersteigpflaster mit den Zähnen abzukratzen. Aber das haben wir alles bald mit Hilfe einer Hundeschule, viel Üben und Geduld in den Griff bekommen.

Nur bei einer Sache gibt sie nicht auf: Sie versucht bis heute, unseren Parkettboden in einen Hundehaarteppich zu verwandeln. Sie verliert ständig Haare und verteilt diese gerne. Kaum sind wir mit dem Staubsaugen fertig, stellt sie sich mitten in den Raum und schüttelt sich ausgiebig. Ich behaupte sogar, dabei ein leichtes Grinsen zu erkennen.

Sie kommt auch immer wieder mal zu Veranstaltungen mit und ist dann der Star, nicht nur für Kinder. Denn für ein Leckerlie macht sie bis heute alles und führt gerne kleine Kunststückchen vor. Und wenn sie mal nicht mit dabei ist, dann ist die erste Frage, wo ist denn Siska. Überhaupt wird sie häufig als Erste und Wichtigste begrüßt. Die Vorsitzende des VdK in Berg am Laim meinte nach der Weihnachtsfeier, bei der ich den Oberbürgermeister vertreten hatte, „Nächstes Jahr kommen sie bitte wieder - aber bringen sie unbedingt ihre Siska wieder mit“.

Wer in München freiwillig den Hundeführerschein macht, wird für ein Jahr von der Hundesteuer befreit. Als Stadträtin und Tierschutzbeauftragte meiner Fraktion wollte ich da natürlich selbst testen, was wir da beschlossen haben. Siska hat den Übungsteil mit der linken Pfote gemeistert und ich habe für den theoretischen Teil gebüffelt und ebenfalls bestanden.

Und unsere Siska ist bekannt, wie ein bunter Hund. Als ich an einem Info-Stand in Neuperlach stand, kam freudestrahlend eine mir völlig unbekannte Frau auf uns zu, ließ mich erstmal links liegen und beugte sich zu meinem Hund und rief: „Schön, dass ich dich endlich kennenlerne, Siska!“ Und zu mir meinte sie trocken: „An Ihren Namen kann ich mich nicht mehr erinnern.“ Als sie meinen fragenden Blick bemerkte, klärte sie mich auf, dass sie einen Flyer von mir – und einem Foto von Siska - im Kommunalwahlkampf in ihrem Briefkasten in Haidhausen gefunden hatte.

Ich habe das Glück, dass ich meinen Hund ins Büro mitnehmen darf. Immer, wenn ich nicht zu viele Termine im Rathaus habe, begleitet mich Siska zu meinem eigentlichen Arbeitsplatz ins Gewerkschaftshaus. Die Kolleginnen und Kollegen freuen sich, wenn sie dabei ist, Siska sorgt tatsächlich für ein noch besseres Betriebsklima. Natürlich waren vorher auch hier Absprachen nötig. Ein Kollege hatte generell Angst vor Hunden, also haben wir vereinbart, dass Siska im Treppenhaus immer angeleint ist. Eine andere Kollegin hatte eine Allergie. Also haben wir verabredet, dass für Siska ihr Büro tabu ist. Glücklicherweise hat sich die Angst beim Kollegen gelegt, als er Siska besser kennengelernt hat und die Kollegin hat auf Siska nicht allergisch reagiert.

Nun ist sie bereits 13 Jahre, eine ältere Dame und hat neben ein paar grauen Haaren auch einige Zipperlein. Unter anderen leidet sie unter dem Cushing-Syndrom, das wir mit Medikamenten aber gut im Griff haben. Insgesamt ist sie ruhiger geworden, schläft gerne viel und bleibt lieber auch mal zuhause. Durch Siska haben wir neue Menschen kennengelernt, weitere Freundschaften geschlossen, besser gesagt unser Rudel erweitert.

Was wir uns wünschen, dass es Siska noch lange gut geht. Und dafür werden wir – soweit es in unserer Macht ist - alles tun. Zwei persönliche Erfahrungen zum Schluss: Es lohnt sich absolut, immer zuerst im Tierheim nach einem geeigneten Vierbeiner zu suchen – für Sie und den Hund. Und frei nach Carl Zuckmayer: Ein Leben ohne Hund ist ein Irrtum.