München hat ein neues Tierversuchslabor

Am 13.09.2017 wurde ein neues Laborzentrum am Klinikum rechts der Isar eröffnet: das TranslaTUM – ein Zentrum für Translationale Onkologie. Das neue Labor bietet Platz für 18.000 Mäuse und etliche Ratten, die in Versuchen zum Einsatz kommen sollen. Unser Kommentar dazu:

Die „Weltstadt mit Herz“ schmückt sich immer wieder mit ihren Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Die Münchner Universitäten werden in der Regel vollkommen zu Recht für ihre Innovationen und fortschrittsorientierten Lehrkonzepte gelobt.

Umso schwächer und rückständiger erscheint einem der neueste Vorstoß: Am TranslaTUM werden rund 100 Wissenschaftler nicht etwa moderne und praxisorientierte Forschung zur Heilung einer schweren Zivilisationskrankheit betreiben. Nein, hier werden künftig unter dem Deckmantel der Krebsforschung - die gesellschaftlich als so wichtig eingestuft wird, dass ihr Zweck alle Mittel heiligt - unzählige Tiere „verbraucht“. Sie leiden als Messinstrumente in grausamen Versuchen und werden spätestens im „Finalversuch“ getötet und wie Müll entsorgt, die Käfige anschließend nachbestückt.

Der TU-Präsident und der Direktor des TranslaTUM klopfen sich gegenseitig auf die Schulter für ihren interdisziplinären Austausch zwischen Medizin, Biologie, Informatik und Ingenieurswesen und rühmen sich in der Öffentlichkeit mit der guten Intention der Krebsheilung. Dass potentielle Ergebnisse aus Tierversuchen aber gar nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar sind, wird den Münchnern verschwiegen. Der Mensch ist nun mal keine 70-Kilogramm-Maus: der Aufbau, die Funktionsweise und das Zusammenspiel menschlicher Organe und Gewebe unterscheidet sich von der Maus. Zudem beeinflusst eine Vielzahl von Faktoren, wie das Erbgut, Umweltfaktoren oder Lebensgewohnheiten, das Entstehen und das Krankheitsbild der vielschichtigen Krankheit Krebs. Diese Faktoren lassen sich nicht alle in Tierversuchen simulieren. Woher kommt also die Hoffnung für neue Krebstherapien bei gleichbleibender Forschungsmethodik?

Wenn auch einige die Meinung vertreten, dass die Medizin von heute auf morgen nicht komplett auf Tierversuche verzichten kann, bleibt es unverständlich, warum weiter in die veraltete, ineffiziente und vor allem grausame Methodik von Tierversuchen investiert wird, während es bereits viele fortschrittliche Alternativen zum Tierversuch gibt. Ansätze wie die Forschung an Zellkulturen, Organkulturen oder Computersimulationen sollten stattdessen weiter ausgebaut und vorangetrieben werden - auch mit der entsprechenden finanziellen Förderung.

Die Niederlande haben bereits einen entsprechenden staatlichen Ausstiegsplan aus Tierversuchen für die kommenden 20 Jahre aufgestellt. Warum wird ethischer sowie wissenschaftlicher Fortschritt in München stattdessen weiter blockiert, indem neue Tierversuchslabore gebaut werden? 60 Millionen Euro hat allein der Bau der Räumlichkeiten des neuen Laborzentrums am Klinikum rechts der Isar gekostet – bezahlt auch vom Steuerzahler, damit die Fördergelder für Prestigeprojekte einiger führender Personen weiter fließen.

Wir appellieren an die Münchner Bürgerinnen und Bürger, sich an den Landtag zu wenden und Transparenz über die Forschungsprojekte an den Tieren und die Ergebnisse einzufordern. Zudem kann jeder mit seiner Stimme bei der Bundestagswahl am 24. September über die zukünftige Ausrichtung der Forschung in Deutschland mit entscheiden. Wir fordern eine intensivere Förderung tierversuchsfreier Verfahren und einen Ausstiegsplan aus Tierversuchen. Auch ein Studium ohne Tierleid muss möglich sein. Getreu dem Motto „Forschung ja. Tierversuche nein!“

Foto: Peta.