Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald

Der zweite Kuckuck ist dieses Jahr in der Wildtierstation des Tierheims München gelandet. Dabei gab es seit Jahren keinen Kuckuck in der Auffangstation. Dieses Mal war es ein geschwächtes Jungtier, dass sein Nest schon verlassen hatte. Normalerweise wird es von den Wirtseltern außerhalb des Nestes aber weiter versorgt. Es ist jedoch nicht selten, dass die unfreiwilligen Pflegeeltern die Versorgung des jungen Kuckuck aufgeben, sobald dieser das Nest verlassen hat. Dies passiert vor allem dann, wenn der Jungkuckuck länger braucht, um selbstständig zu werden als ihre eigene Brut es getan hätte.

In der Auswilderungsstelle des Tierschutzvereins konnte dann etwas Faszinierendes beobachtet werden. Kaum saß der Jungkuckuck im Freien, wurde er von einigen der ansässigen Singvögel gefüttert. Das Aufsperren des orangeroten Rachens beim Vorbeifliegen eines anderen Vogels löst eine so starke Reizwirkung aus, dass die Vögel den unbekannten Jungkuckuck sofort füttern.

Im August machten sich die ersten Kuckucke bereit, in den Süden zu ziehen. Sie zählen zu den Langstreckenziehern und fliegen rund 7100 km weit bis nach Afrika. Im Frühling kehren die Vögel passend zur Brutzeit ihrer Wirtsvögel zurück. Aufgrund der Klimaerwärmung fangen allerdings viele Singvögel früher an zu brüten. Das ist für den Kuckuck ein Problem, denn die Brut darf noch nicht zu weit sein, damit die fremden Küken nicht schlüpfen bevor der eigene Nachwuchs geschlüpft ist und die Eier aus dem Nest werfen konnte. Kommt der Kuckuck zu spät aus seinem Winterquartier zurück und der Frühling hat warm und früh begonnen wie in diesem Jahr, hat das Kuckucksweibchen nur zwei Möglichkeiten. Entweder es wartet bis die erwählten Singvogelpaare das zweite Mal brüten, oder es beschleunigt diesen Prozess und stiehlt die Jungtiere oder Eier aus dem Nest. Dann wird der Wirtsvogel in der Regel eine weitere Brut anfangen.

Wenn die Kuckucksdame ein geeignetes Nest entdeckt hat, beobachtet sie dieses heimlich so lange, bis mindestens ein Ei gelegt wurden. Dann klaut sie ein Ei aus dem Nest und legt stattdessen ihr eigenes Ei hinein. Dafür braucht sie nur wenige Sekunden. Das Kuckucksei ist nur minimal größer, von der Färbung und der Form sowie der Musterung jedoch genau gleich, wie die der jeweiligen Wirtsvögel. Zusätzlich dazu werden die Eier bereits im Mutterleib bebrütet und haben damit einen Vorsprung von bis zu 31 Stunden. Trotz aller Anpassung werden in 10-30% der Fälle die falschen Eier entdeckt und von den Wirtseltern zerstört oder das ganze Gelege aufgegeben. Einige Wirtsvogelarten sind inzwischen so gut an den Kuckuck angepasst und erkennen dessen Versuch sie zu parasitieren, dass dieser sie nicht mehr als Wirte in Betracht zieht.