Wildtier des Monats September

Die Krähe

Kaum ein Tier spaltet die Meinungen so wie der Rabenvogel es tut. Die Einen hassen, die Anderen lieben ihn. Abschuss wird gefordert aufgrund von vermeintlichen Krähenplagen. Sie rauben Nester aus, klauen und gelten selbst als schlechte Eltern („Rabenmutter“). Jedoch sollen sie auch hochintelligent, sozial und sehr verspielt sein. Was stimmt wirklich an all dem Gerede? 

Fakt ist, dass sich viele Krähen temporär an bestimmten Orten sammeln. So wirken sie wie eine Plage. Nicht brütende Rabenkrähen sammeln sich abends aus kilometerweiter Entfernung an einem gemeinsamen Schlafplatz. Auch Singles wollen nicht einsam sein und ziehen in Junggesellenschwärmen mit ihren Kumpels durch die Gegend. Im Herbst findet man auch große Schwärme von Saatkrähen. Sie fliehen aus dem kalten Norden oder vom Land in die wärmeren Städte und überwintern dort.

Die typischen schwarzen Krähen aus der Nachbarschaft sind meist Rabenkrähen, auch Aaskrähen genannt. Sie sind für unsere Natur äußerst wichtig, denn sie fungieren wie die Geier in Afrika als Gesundheitspolizei. Ja, sie sind bei ihrer Nahrungsauswahl nicht sehr anspruchsvoll und während es im Winter oft leckerer Müll der Menschen ist, rauben sie im Frühling auch mal andere Tierbabys. Allerdings ist dafür mitunter auch der Mensch verantwortlich. Denn dank unserer modernen Wohnweise finden Singvögel kaum noch geschützte Nistplätze. Die dann offen sichtbaren Nester sind wie auf einem silbernen Tablett serviert. Ihr Nestraubverhalten wirkt sich nachweislich jedoch nicht negativ auf die Brutvogelbestände aus. 

Krähenpaare sind übrigens reviertreu und halten nicht nur große Krähenschwärme, sondern oft auch Tauben fern. Zudem warnen sie die kleineren Singvögel nicht nur zuverlässig vor Greifvögeln, sie attackieren diese auch oft und verjagen sie. Rabenvögel zählen übrigens auch zu den Singvögeln, sie vertreten dabei aber wohl eher die Heavy Metal Stilrichtung. :)

Wer also ein Krähenpaar im Garten hat, sollte nicht nur das Negative sehen und ihre Tötung oder Vertreibung fordern, sondern sich darüber freuen, dass er einen hochintelligenten Aufpasser beherbergt. Krähen können Menschen übrigens sehr gut unterscheiden und wissen wer freundlich zu ihnen war und wer ihnen Böses will. Zudem sind sie bezaubernde und liebevolle Eltern, die sich über Monate um ihre Jungtiere kümmern und ihnen alle Krähentricks sorgfältig beibringen. Sie können ihnen sogar beibringen, welcher Mensch ein Schuft ist und lieber gemieden werden soll.

Aus der Sicht eines Vogels, der Farben deutlich besser wahrnehmen kann als der Mensch, sind Krähen übrigens gar nicht schwarz, sondern bunt. Bei richtigem Lichteinfall lässt sich die wirkliche Gefiederpracht aber auch für uns erahnen.