Rettungsaktion der Hündin Sophie

von Eveline Kosenbach

Vor knapp vier Wochen erfuhren wir von Tierschützern aus Rosenheim von der entlaufenen Hündin Sophie, die sich in einem Waldstück bei Brunnthal verschanzt haben sollte. Immer wieder wurde sie dort gesehen. Eine erste Einfangaktion war bereits gescheitert. Sophie schien jegliches Vertrauen in die Menschen verloren zu haben – war sie doch erst vor kurzem als ehemaliger Straßenhund aus Bulgarien zu uns gekommen. Wer weiß, was sie dort erlebt hat. Ihr Verhalten bei uns spricht jedenfalls Bände:

Durch Meldungen von Tierfreunden schaute ich mir die Waldgegend an, in der Sophie gesichtet wurde. So begann vor ca. 3 ½ Wochen die Anfütterung im Wald. Nach langer Wartezeit erschien Sophie tatsächlich ganz vorsichtig am Waldrand. Es muss der Hunger gewesen sein, der sie antrieb, denn der entdeckte Futternapf wurde natürlich gleich gelehrt. Deswegen wusste ich, dass sie von nun an täglich kommen würde. Doch sie war sehr nervös und schaute sich immer wieder um.

Ich holte die Hunde-Lebendfalle vom Tierheim und stellte sie in der Nähe des Futterplatzes auf. In die Falle führend wurde eine Futterspur gelegt. Sophie sollte zuerst die Scheu vor der Falle verlieren, deshalb wurde sie noch nicht „scharf“ gemacht. Zwischenzeitlich hatte sich Sophie daran gewöhnt, dass sie zwei Mal täglich gefüttert wird. Um feststellen zu können, wann die scheue Hündin zum Futterplatz kommt, stellte ich eine Kamera auf. Sophie ging aufgrund schlechter Erfahrung nie ganz in die Falle. Sie ist sehr schlau und vorsichtig, da sie offensichtlich nichts Gutes erlebt hat. Fangleinen, Käfige und Auto-Kofferräume - war ihr alles bekannt. Selbst in den kleinen Käfigen einer Tötungsstation ist Sophie schon gewesen.

Ich machte nach einigen Tagen die Falle „scharf“ und legte mich auf die Lauer. Sie ging trotz guten Futters nie so weit in die Falle, dass sie ausgelöst wurde. Lieber hätte sie gehungert.

Jetzt musste ich mir etwas Anderes einfallen lassen. Da sie mich täglich beobachtete, lockte ich sie mit dem vollen Futternapf, der mit Aufbau-Futter und obendrauf mit feinem Hühnchen gefüllt war. Täglich stellte ich auch einen Wassernapf hin. Durch Hineinwerfen von Leckerlis, hat sie beim Herausfischen auch immer viel Wasser zu sich genommen.

Diese Phase dauerte ca. zwei Wochen. Eines Abends ging plötzlich für ca. 10 Minuten ein Feuerwerk los. Am nächsten Tag war Sophie spurlos verschwunden. Ich dachte schon, sie hätte den Platz für immer verlassen. Trotzdem stellte ich mich zur Beobachtung wieder hin. Am Abend kam sie dann ganz vorsichtig aus dem Wald. Auch das Futter hat sie wieder angenommen. Tags darauf war für sie wieder alles normal. Plötzlich hörten ich und natürlich auch Sophie zwei Schüsse aus dem Wald. Wie vom Blitz getroffen rannte sie in entgegen gesetzter Richtung in den Wald davon. An diesem Abend war sie nicht mehr gesehen. Doch als ich am nächsten Tag wieder dort ankam, wartete meine Freundin schon am Waldrand.

Durch das regelmäßige Füttern konnte ich sie schon mit „Sophie“ rufen und sie kam. Zwischenzeitlich ließ sie sich sogar überreden Leckerlis von meiner Hand zu nehmen. Nachdem mein Plan mit der Falle so gar nicht aufging, versuchte ich sie von nun an mit dem Futter ins Auto zu locken. Auch hier hatte ich keine Chance. Bei jeder auch noch so kleinen Bewegung scheute sie sofort und entfernte sich ein paar Meter. Außerdem fixierte sie ständig die Autoklappe. Selbst bei zufällig vorbeilaufenden Joggern erschrak sie und lief in den Wald, wo sie das Geschehen weiter beobachtete.

Dann versuchte ich eine Kontaktaufnahme mit dem Hund einer Kollegin. Dies ging leider gänzlich schief, denn erst danach erfuhr ich, dass Sophie von anderen Hunden in der Vergangenheit attackiert worden war.

Jedes Mal, wenn ich nach mehreren Stunden Aufenthalt wieder fahren wollte, lief sie dem Auto hinterher, aber ins Auto hinein wollte sie nicht. Ich hielt immer wieder an - Autoklappe auf, wieder auf sie einreden usw. Ich merkte, dass sie wirklich mit mir kommen wollte, sich aber einfach nicht ins Auto traute. Dann wieder zurück zum Futterplatz, eine Leckerli-Spur in den Wald legen, sie dorthin locken und so schnell wie möglich ins Auto und Gas geben.

Da sie mir den Gefallen nicht tun würde ins Auto zu springen, blieb nur noch die Fangleine. Die darauffolgenden Tage wurde sie an die Fangleine gewöhnt, die sie anscheinend auch schon kannte, denn sie war unglaublich vorsichtig. Nun war es so weit. Den Futternapf stellte ich zwischen meine Beine – immer weiter hinter und die Fangleine hielt ich so, dass sie eine möglichst große Schlaufe bildete. Um jetzt an das leckere Hühnerfleisch zu kommen musste sie durch die Leine steigen. Da sie inzwischen nach mehreren Wochen intensiver Arbeit Vertrauen zu mir aufgebaut hatte, fraß sie aus dem Futternapf - und ich hatte sie.

Jetzt nur noch ins Tierheim und sie war im Trockenen. Der einsetzende Wetterumschwung mit angekündigtem Dauerregen und Temperatursturz konnte ihr nichts anhaben. Momentan kümmert sich eine liebe Pflegerin rührend mit Leckerlis um Sophie. Doch es wird noch lange Zeit dauern, bis Sophie wieder Vertrauen zu Menschen fasst.